Erinnerungen an die Leipziger Buchmesse 2013, erster Teil

15. März 2013, auf der Fahrt von Berlin nach Köln

Die Fahrt nach Leipzig gestern war problemlos, der geliehene Polo war sogar deutlich schneller als von Freundin J. angekündigt. 145 vs. 160.
Die Fahrt zur lit.Cologne dann mit der Bahn machen; selbst schuld. Ich hätte es besser wissen müssen. Seit ein einhalb Stunden stehen wir östlich von Wolfsburg. Zeit genug sich daran zu erinnern, wie es gestern östlich von Leipzig war.

Messe 2013

Messe 2013

Früher war die Messe mitten in der Stadt. Damals hatten wirklich alle Spaß daran, denn es war etwas Besonderes. Die Messe hatte den Charme eines Tags der offene Tür im genarationsübergreifenden Wohnprojekt Neukölln-Kreuzberg. In kleines Kojen saß Alt neben Jung, Groß neben Klein, saß das, was man später Konzernverlag schimpfte, neben dem, was sich selbst später Indie nannte. Es war eng, man musste Treppe auf und Treppe ab, aber alle waren sich einig, es war gut so.
Dann wurde die neue Messe gebaut, okay, es musste sein. Am Ende waren auch wieder alle zufrieden. Man war zwar nun östlich von Leipzig, aber zumindest konnte man die Sonne sehen während der Tage in den Hallen. Leipzig hatte es also wieder einmal geschafft: jeder mochte die Stadt und die Messe, man kam gerne, fühlte sich wohl und nahm sich jedesmal wieder vor, im Laufe des Jahres nun aber endlich einmal ein Wochenende in Ruhe zu kommen und sich das alles genau anzuschauen. Dabei wird es bleiben. Aber nicht, weil man die Stadt dann doch für den Rest des Jahres wieder ein bisschen vergisst, wohl ehr, weil man sich zu sehr an manches erinnert, was die Leipziger Buchmesse inzwischen ausmacht: graue Buchhändler und für die Messe aufgemöbelte Nachwuchshighpotentialpraktikanten, die schon immer gerne gelesen haben und nun was mit Büchern machen wollen, gehören zum gewohnten Bild der Branche. Doch selbst mit den die Hallen stürmenden Dichtern, auf der Suche nach Lektoren für ihre Epen und Gedichtzyklen, denen sie das alles samt selbstgemalter Coverentwürfe in die Hände drücken können, selbst mit denen zusammen reicht es nicht aus um das zu schaffen, was am Ende als einziges wirklich zählt: Rekordbesucherzahlen. So kam man vor Jahren auf die Idee, all denen freien Eintritt gewähren, die sich verkleiden: Cosplay. Der Laden war voll. Doch nun reicht das nicht mehr, es war abzusehen. Man stellt es sich vor, die Verantwortlichen der Messe, die sich an den schlecht sitzenden grauen Anzügen zupfen und an den lustigen Buchkrawatten nesteln und darüber grübeln, was nun. Zum Glück für alle anderen, hat der 1.FC Lokomotive Leipzig nicht genügend Anhänger, als dass sie hätten helfen können. Also karrt man seit diesem Jahr verstärkt Kindergartenkinder und Grundschüler in den Osten Leipzigs. Irgendwer wird das dann sicher auch noch mit dem Argument „frühkindliche Leseförderung“ verteidigen. Aber was soll’s. Sich darüber zu wundern ist kleinlich und elitär. Außerdem hat es mir die Tageskarte gesparrt, als ich mit erhobener Kamera und dem Ruf „Darf ich kurz durch, Presse“ die Messe stürmte.

Was eigentlich wichtig ist auf der Messe: da wären einmal die Preise, die man sich gegenseitig verleiht. Der Spiegel hat sich im Vorfeld ja schon drüber gewundert, das Leute nominiert wurden, die Der Spiegel nicht kennt. Da werden die Kollegen aber jetzt zufrieden in der Redaktion sitzen, denn mit JanDavid Wagner hat in der Kategorie Belletristik der Autor gewonnen, den man in Hamburg ebenso kennt wir im Rest Deutschlands. Nur gibt es da ein Problem: nach der Bekanntgabe hieß es überall nur „Ja, das habe ich mir gedacht“ und es schien offensichtlich niemanden so recht zu interessieren. „Habe ich quergelesen“, „Nächste Woche, liegt schon da“ und „Ne“ wurde dann weiterdiskutiert.

Teil 2 der Erinnerungen an die Leipziger Buchmesse 2013, heute Abend.