©Patrick Hutsch

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Eine feierliche Stimmung legt sich über den Großen Saal des Heimathafens, groß prangt der open-mike-Schriftzug hinter der Bühne, auf der die Teilnehmer der Abendveranstaltung nun Platz nehmen. Lars Reyer, Svealena Kutschke, Jan Skudlarek, Katharina Hartwell: Sie haben alle schon mindestens ein Runde open mike hinter sich, sind gewissermaßen die Veteranen, und nun dürfen sie den Warm-Up für die diesjährige Veranstaltung liefern und ihre neuen Bücher vorstellen.

„open mike und die Folgen“, das klingt ein bisschen nach Folgeschäden, posttraumatischem Stress-Syndrom: Wirklich so schlimm? Zum Glück nicht: Wer Gewinner, wer Verlierer war, das macht in dieser Runde keinen Unterschied. Mehr noch, die Wettbewerbsbeurteilung fällt, wenn man es genau nimmt, auf die Jury zurück: open mike hin oder her, alle der anwesenden Autoren haben es „geschafft“, ihr erstes oder zweites Buch vor sich liegen, und wirken glücklich.

Dazu passt Lars Reyers Aussage, die Erinnerung an seinen open mike sei mit der Zeit schon eher „verwischt“. Er und Jan Skudlarek verkörpern die Lyrik-Abteilung, und ist es Zufall, dass beide ganz besonders entspannt wirken an diesem Abend? Vielleicht ist es der ganz besonders unverkäuflichen Lyrik vorbehalten, eine Gelassenheit dem Betrieb gegenüber zu entwickeln, der seine ganz eigenen Regeln hat: Der Buchvertrag wurde Lars Reyer nicht postwendend nach seinem Open-Mike-Auftritt zugestellt, sein Debüt ließ noch zwei Jahre auf sich warten. Wie einen Baustein auf dem Weg zum ersten Buch beurteilt auch Jan Skudlarek seine Open-Mike-Teilnahme: Es ist eben auch die Vernetzung mit anderen Autoren, es sind Veröffentlichungen in Anthologien und Magazinen, die den Weg in den Markt ebnen.

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Ganz anders die Prosa: Svealena Kutschke und Katharina Hartwell haben beide schon auf dem Wettbewerb Resonanz, und sei es in der Form der unvermeidlichen Visitenkarten, erhalten, bei Svealena Kutschke war im zweiten Anlauf auch der Hauptgewinn drin, dann das erste, jetzt das zweite Buch: Eine klassische Erfolgsgeschichte. Und natürlich würde an einem solchen harmonisch-einträchtigen Abend auch niemand wirklich dem Veranstalter in die Suppe spucken, aber wenn, hätte vielleicht Katharina Hartwell Grund dazu: Ihr Debütroman „Das fremde Meer“ wurde in diesem Frühjahr frenetisch bejubelt, war der Überraschungserfolg des Jahres, und das eher trotz des Ausscheidens bei der open-mike-Lesung, bei der die Jury offenbar nicht richtig hingehört hatte.

Nein, Gräben sollten an diesem Abend keine aufgerissen werden, versöhnlich ging es auch am Ende zu, als alle Teilnehmer den diesjährigen Kandidaten brav einen guten Wettbewerb wünschten, noch einmal an die Lockerheit appellierten und sich als mustergültige Zöglinge des open mike erwiesen hatten.