In diesem Herbst erscheinen viele spannende Prosa- und Lyrikdebüts. Einige von ihnen stellen wir in den kommenden Wochen vor. Den Autoren haben wir ein paar Fragen zur Literatur und Person gestellt.

Heute: Jens Eisel
Jens Eisel schreibt in »Hafenlichter« von Momenten, die eine Existenz auf den Punkt bringen, die wie unter einem Brennglas Hoffnungen und Wünsche eines Lebens zusammenfassen. Ohne Pathos und voller Wärme erzählt Jens Eisel von ihnen, mit Pointen, die so treffend wie unaufgeregt sind. Es sind knappe Stories, die lange nachhallen, und sie erinnern an große amerikanische Vorbilder wie Richard Ford oder Sherwood Anderson.

Hafenlichter
Erster Satz?
Als ich Henning kennenlernte, war ich neunzehn; er war neunundzwanzig.

Was bedeutet literarische Tradition für Sie?
Ich habe so ziemlich alles gelesen, was ich von amerikanischen Kurzgeschichtenautoren in die Finger bekam. Beeinflusst haben mich vor allem Texte von Hemingway. Aber auch aktuellere Geschichten von Denis Johnson, Andre Dubus, Annie Proulx und David Guterson haben mich sehr fasziniert. Ich habe mir die Frage, was literarische Tradition für mich bedeutet, bisher noch nicht gestellt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass »Hafenlichter« ohne die amerikanische »Short Story« ein völlig anderes Buch geworden wäre.

Ist Literatur essentiell?
Ich glaube nicht, dass es möglich ist, diese Frage allgemein zu beantworten. Ich glaube, dass jeder Mensch ein anderes Verständnis von Literatur hat und vor allem einen anderen Zugang. Wenn man sich auf Literatur einlässt, kann sie allerdings unglaubliche Kräfte entwickeln.

Wem erzählen Sie Ihre Geschichte?
All den Leuten, die ich in den Nächten auf St. Pauli kennengelernt habe.

Was soll man nach der Lektüre machen?
In eine Buchhandlung gehen und sich einen Erzählband kaufen. Zum Beispiel »Winterfisch« von Gregor Sander oder »Albuquerque« von Florian Wacker.

© Melina_Mörsdorf

© Melina_Mörsdorf

Jens Eisel, geboren 1980 in Neunkirchen/Saar, lebt in Hamburg. Nach einer Schlosserausbildung arbeitete er unter anderem als Lagerarbeiter, Hausmeister und Pfleger. Er studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und war 2013 Finalist beim Literaturpreis Prenzlauer Berg. Mit seiner Story »Glück« gewann er im selben Jahr den Open Mike.