Einen unvollständigen Sonettenkranz hat Felix Schiller im Gepäck, zehn Texte von insgesamt fünfzehn, deren Namensgeber Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts sind, „Darwins Kollegen“ eben. Ein jedes dieser in der Erbfolge der britischen Sonettform verfassten Gedichte – mit zweizeiligen couplets am Ende, die gesammelt und am Ende des Kranzes zu einem letzten Sonett zusammengetragen werden – porträtiert einen Forscher, sein Schaffen und Leben. Dankenswerterweise gibt der Autor (nebenberuflich Lehramtsstudent, das zahlt sich hier aus) den unwissenden Zuhörern vor jedem Text ein kurzes Briefing. So wissen wir nun, dass Robert Chambers mit sechs Fingern und Zehen ein trostloses Dasein als Außenseiter fristete bevor er in der Wüste verdurstete, oder dass Hugh Edwin Strickland beim Fossiliensammeln vom Zug erfasst wurde. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

 „er löst das liegende aus der sohle der strecke. sucht lösungen für die m5assen, eine verfüllung / mit erde. gesteinseinheiten, deren falten überkippen. doch plötzlich die scherzone eines fürther / modells: die stratigraphie einer lok5omotive. ein zyklon, rauch, das erstauftreten der beschürten / lebensdauer und ihres erlöschens: der verbruch eines verbands. und die trassen seiner erfüllung?“

Die Fußnoten in der Mitte der fettgedruckten Wörter sind Verweise auf das (in der Anthologie einleitend abgedruckte) Diagramm aus Darwins „Über die Entstehung der Arten“, welches Schiller, auch das erläutert er am Schluss auf Nachfrage der Jury, in seine Texte eingearbeitet hat. Hören kann man die graphischen Besonderheiten nicht. Dennoch liest Schiller sicher und leidenschaftlich, schaut viel ins Publikum, als wolle er sich und seine Texte – zu Recht – erklären. Bis der Wecker ihm dazwischenklingelt. Puh. Aber: Chapeau!