Hakan Tezkan & Theresia Töglhofer

Hakan Tezkan

Was lesen Sie gerade?
Gilles Deleuzes »Differenz und Wiederholung« sowie »Logik des Sinns«. Dazwischen antike Fabeln und, schrittweise, August Bebels »Die Frau und der Sozialismus«.

Was bedeutet literarische Tradition für Sie?
Auf die Werke einiger, mittlerweile oder schon lange toter AutorInnen könnte und möchte ich nicht verzichten.

Wem erzählen Sie Ihre Geschichten?
Ich schlage in stotternden Rhythmen auf die Tastatur ein. Mehr nicht. »Der Autor ist tot.« Kein Lagerfeuer weit und breit. ICH erzählt nicht.

Wer sind Ihre literarischen Helden?
Franz Kafka. Dann Samuel Beckett. Alle anderen müssen für einen Moment schweigen.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Bald wütend, bald traurig, bald staunend.

Erster Satz/Vers Ihres open mike-Textes?
Sie spiegelten sich im Fenster.

Hakan Tezkan, © Miriam Gossing

Hakan Tezkan, © Miriam Gossing

hakan tezkan, geboren 1989 in göttingen, aufgewachsen in bergisch gladbach, studium am deutschen literaturinstitut leipzig, seit 2012 studium an der bergischen universität wuppertal, literaturredakteur von S T I L L.
Hakan Tezkan wurde ausgewählt von Sandra Heinrici.

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Theresia Töglhofer

Was lesen Sie gerade?
»In was wir uns verlieben«, Erzählungen von Roman Simic, in der Übersetzung von Alida Bremer.

Wem erzählen Sie Ihre Geschichten?
Allen, die es nicht immer schon gewusst haben. Allen, die noch nicht alles geklärt haben. Allen, die sich noch nicht in völligem Einklang mit sich und dem Universum befinden.

Wer sind Ihre literarischen Helden?
Jene Autoren, die mich so weit bringen, dass ich ein Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Und jene Figuren, die über die Geschichte hinaus ein »Eigenleben« entwickeln und noch lange nach der Lektüre aus dem eigenen Bekanntenkreis nicht mehr wegzudenken sind, so wie Juan Ranz, Tony Buddenbrook, Jean-Baptiste Clamence …

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Konstruktive Verwirrung. Neue Stadt (Osijek), neues Land (Kroatien), alte Schlüssel abgegeben, neue in der Tasche, aber auch im weniger konkreten Sinne Erschließen neuer Zugänge in Sachen »Lebensweise(n)« und »Weltsicht(en)«. Neue Arbeit, neue Gesichter, neue Straßennamen, und eine vage Vorahnung, dass sie mir in ein paar Monaten vertraut sein werden. Eine fremde Sprache, von der ich mich frage, ob ich sie beherrsche oder sie mich.

Ich stelle mir gerne vor, Lernen sei etwas Harmonisches, was am Schreibtisch vor sich geht, mit einer Tasse Tee und klassischer Musik im Hintergrund. Das Problem ist, dass das selten der Fall ist. Viel öfter passiert Lernen im Durcheinander, in der Reizüberflutung und im Aufeinanderprallen verschiedener (Un)ordnungen. Man könnte Lernen auch durch Schreiben ersetzen.

Erster Satz/Vers Ihres open mike-Textes?
Nein, sage ich.

Theresia Töglhofer, © Marin Franov

Theresia Töglhofer, © Marin Franov

Geboren am 22. Februar 1985 in Graz, Österreich. Studium der Geschichte und der Internationalen Beziehungen in Graz und Paris, es folgten weitere berufliche Stationen in Belgrad, Brüssel, Wien und Berlin, wo sie seit 2011 lebt. Von 1997 bis 2002 in der Jugendliteraturwerkstatt Graz aktiv, erster Platz österreichweit im europäischen Literaturwettbewerb des Perplex-Magazins (2002). Seit Oktober 2015 ist sie Lektorin des Österreichischen Austauschdienstes an der Universität Osijek, Kroatien.
Theresia Töglhofer wurde ausgewählt von Sabine Dörlemann.