Andra Schwarz ist in der Oberlausitz, nahe der polnischen Grenze, geboren. Und das, so ihr Lektor Reto Ziegler, sei nicht unwichtig für ihre Gedichte. Zwölf Stück liest sie, sehr bedeutungsschwanger, was es erst schwer macht, sich wirklich darauf einzulassen, weil die Worte dadurch künstlich aufgeladen werden. Und das hätten die Texte gar nicht nötig, weil sie bildlich so stark sind, dass sich beim Hören unweigerlich die düsteren Landschaften im Kopf auftun, die hier beschrieben werden. Wobei beschreiben vielleicht nicht das richtige Wort ist, sondern eher umschreiben, denn wirklich fassbar wird nichts. Die Schwebe und der Nebel sind hier entscheidende Motive. „Von hier gibt es keine bilder nur grau“ – so programmatisch beginnt das erste Gedicht, gemeint ist die polnische Grenzlandschaft.

Kurz nach dem aufschäumen trübe flecken / das meer das alles auswäscht jahrhundertelang / geschliffene zeit auf der wir gehen / sprachlos und fremd

Düster ist es hier, und unsicher, Worte wie Meer und Messer wirken bedrohlich und auch das Verhältnis zwischen dem Ich und dem angesprochenen Du wirkt problematisch unbestimmt. Reto Ziegler hat recht, wenn er meint, dass hier Zwischenräume erkundet werden. Beschreiben kann man das nicht, hören muss man es, sich vorlesen und Landschaft und „Güterverkehr“ aufeinander prallen lassen.