H.C. Artmann, Avantgardist der österreichischen „Wiener Gruppe“, dient Philip Krömer in seiner Erzählung „der eine der andere“ als Protagonist. Mutig, denn der 1921 geborene Österreicher Hans Carl Artmann, der Verfasser von Wiener Dialektgedichten, der bis heute bedeutenden 8-Punkte-Proklamation und Erzählungen wie dem „aeronautischen Sindtbart“, ist zwar in Österreich immer noch von großer Bedeutung, in Deutschland aber wohl weniger bekannt.

Erzählt wird eine Geschichte, in welcher der Autor Artmann mit einer Zeitmaschine ins Jahr 1924 reist und den Werwolf von Hannover Fritz Haarmann beim Mord beobachtet, von einen mechanischen Erzähler, der vom Münzeinwurf in Gang gesetzt wird und die Binnenhandlung rahmt.

Die Idee des automatisierten Erzählens erinnert den versierten Neo-Avantgarde-Experten an die Dichtungsmaschine von Wiener Gruppe-Kollegen Konrad Bayer, welche mithilfe von 171 ‚poetischen‘ Elementen, 400 ‚banalen‘ Elementen und dem zugehörigen Bauplan „die Zeittrompete“ kybernetisch Literatur produzieren soll. In Krömers Text hat der mechanische Erzähler eine kommentierende Funktion, die das Verhalten des Protagonisten bewertet. Aber auch Artmann, der Erzähler innerhalb der Erzählung, greift in das Erzählte ein.

Oh, Artmann, du hast in den Weltenlauf eingegriffen!

Artmann beobachtet Haarmann beim Bluttrinken, dieser wird durch das Lachen des Zeitreisenden auf den Voyeur aufmerksam, bei dessen Flucht cholerisch und ruft so Nachbarn und Polizei auf den Plan. Haarmann landet in Gefangenschaft, wo er zum Tode verurteilt wird und Artmann besucht ihn dort, um das Warum seiner Tat zu recherchieren.

Und der Artmann? Setzt sich hin und schreibt seine Kannibalengeschichte, deren Erzähler er sein wird, nur er und er ganz allein.

Philip Krömer wirft mit seinem Text poetologische Grundsatzfragen auf. Der Titel deutet eine solche bereits an: Wie viel Inspiration braucht ein Erzähler für seine Geschichten? Wie viel Autor steckt in seiner Literatur? „der eine der andere“, den Krömer leider nicht in 15 Minuten zu Ende lesen kann, bewegt sich auf einer spielerischen, literaturwissenschaftlichen Metaebene, die einen launigen, individuellen Sound findet: in jedem Fall ist dies ein „poetischer Act“, und was für einer!