Haarschaf die Kurve gekriegt, fast rausgeflogen, aber dann im richtigen Moment Vollgas gegeben (wie mein Fahrlehrer immer gepredigt hat) und noch geschafft. Und wie. Generationentexte zu schreiben ist ja schon mutig. Julia Engelmann und bento blitzen kurz im Kopf auf und man denkt: „Nicht schon wieder.“ Aber dann wird auf wenigen Seiten eine Endzwanziger-Beziehung so präzise und so gut dargestellt, dass man das alles vergisst. Und mehr noch: Theresia Töglhofers Text macht noch mal klar, was der Unterschied zwischen dem, was man Literatur nennen will, und dem, was man einen bento-/Neon-/ze.tt-Text nennen will. Das Mehr, das dieser Text enthält, und das in diesem Fall eher in einem Weniger besteht. Keine Lösungen, keine Phrasen, reduziert, ein Problem wird gezeichnet, nicht ausgemalt.

Die anderen glaubten selbstverständlich, aber wir waren niemals ein Paar, wir waren immer zu zweit. Wir sagten uns niemals, dass wir ohne einander nicht leben könnten oder andere Seifenopernsätze, weil wir wussten, dass es nicht stimmte. Wir fragten uns nicht, ob du mich, ob ich dich, wir lebten den Moment, wir hassten Phrasen, es war die einzige, die zutraf, aber wir hatten keine Geschichte, auch keine Versäumnisse, die uns aneinanderbanden, kein hätten sollen , können , müssen , mehr als ein Leben im Konjunktiv fürchteten wir nur ein Leben im Konjunktiv Imperfekt.

Die zwei, um die es geht, kennen keine Vergangenheit, wollen sie nicht kennen, um den Klischevorstellungen einer Beziehung zu entkommen. Wer hier männlich und wer weiblich ist, ist völlig egal und weder wichtig noch ersichtlich, vielleicht sind es auch zwei Frauen, die hier sprechen, das Wort „Exfreundin“ ist da unspezifisch. Es ist von Anfang an klar, dass es nicht funktioniert, dieses Leben ohne Erinnerung, in der puren Gegenwart. Denn wir hören ja diesen Text, der selbst nur Erinnerung ist. Vom Beginn der Lesung an ist die Beziehung zum Scheitern verurteilt. Und man hört beim Zerbröseln sehr gespannt zu, weil es ein schönes Scheitern ist.