Wir singen leise vor uns her »die Luders, die Luders« und grinsen dabei ohne Ende. Die Typen haben wir voll rasiert. 

Alex, Uli, Seta und Flo – das sind vier Freundinnen, Schülerinnen, Atzen, die man nach diesem Text gern vor sich selbst beschützen möchte. Sie sind wütend, brechen aus, sind keine Mädchen, die ihre Poesiebücher austauschen. Stattdessen strömen sie in die Welt, sind Mikrowellenkinder, zu früh auf eine Welt los gelassen, ohne zu lernen, was es heißt, Kind zu sein. Sinnbild einer Generation, die sich zwischen zwei Kosmen, dem digitalen und dem realen, bewegt. Aber darum geht es hier nur sekundär. Im Vordergrund von Die Luders stehen die Freundinnen, vielleicht sind sie sogar eine frühe Version der nasty young women, deren Tage nach der Schule erst wirklich beginnen. Sie hassen alles, sind respektlos, klauen Fahrräder und werfen mit Essen. Erzählt wird das Ganze von einem Wir, das gegen ein Ihr angeht, die Eltern. Diese scheinen ihre Kinder nicht mehr einfangen zu können. Es ist ihnen nicht möglich zu verhindern, dass die Mädchen am Abend in die Kneipe gehen und sich andere Namen geben, um ältere Männer aufzureißen. Die Eltern haben ihre eigenen Probleme: Zwillinge und Depressionen.

In Die Luders steckt viel drin: reifen, leben, weitermachen. Der Text funktioniert vor allem so gut, weil er griffig ist und ein sprachliches Tempo hat, bei dem der*die Leser*in gerne mitgeht, selbst wenn Dündars sehr lyrischer Vortrag von einer Ruhe getragen wird. So wird es den Zuhörer*innen jedoch möglich, jedes Wort aufzunehmen und zu verstehen. Die rotzige Sprache, die geheimen Wörter – sie sagen „schnacken“ und meinen „es machen“ – verleihen dem Text seine Komik.

Ein Alter auf der Straße nennt uns Luder. Was ist denn das für ein Wort? Was ist denn das für ein Wort? Was will er denn? Bist du aus dem Mittelalter, Alter oder was, fragt Seta. Wir sind doch keine Luder. Wir sind Frauen, sagt sie. Ihr seid allerhöchstens Mädchen, sagt der Alte.

Özlem Dündar ist zum zweiten Mal beim open mike dabei. Ihr erster Prosabeitrag (hoffen wir, es wird ein Roman) ist viel versprechend und man kann sich auf die Fortsetzung freuen.

 

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