Was ist das für 1 Liechtenstein? Wer es noch nicht mitbekommen hat: Benjamin Quaderer ist ein Exot. Bei jeder Gelegenheit, sei es in der Autorenvorstellung, der Reihenfolgenlosung oder der Anmoderation Esther Kormanns, scheint es immer wieder wichtig zu betonen, woher der junge Mann mit dem Schnurrbart stammt. Und jetzt kommt’s: Auch sein vorgetragener Text Für immer die Alpen ist, tadaa, in Liechtenstein verortet.

Der Schrei johlte hinaus in die Hauptstadt, ließ die Scheiben des Juweliers Huber zu Bruch gehen und raste den Hang hoch, bis er das auf einer Felsterrasse thronende Schloss erreichte. Er drang durch die schweren Gemäuer, jaulte im Keller an den Schätzen der Fürstenfamilie, den Picassos und Rembrandts, den Cranachs und Botticellis vorbei. In einem der Zimmer fand er das träumende Fürstenpaar von und zu Liechtenstein in einem Himmelbett liegen.

Was bin ich froh, dass es dann aber doch nicht dieses Land ist, das den Alpentext zu einem meiner Highlights werden lässt. Der Mann kann Sprache! Jeder Satz sitzt, die Wörter spinnen sich in einem sanft kreischenden Windstoß durch die Ortschaft und ihre atmosphärischen Statisten. Dann kehrt der Fokus zurück in den Kreißsaal, in dem die Geschichte ihren Ausgangspunkt findet. Es heißt ja immer, die junge Literatur solle mehr neue Stimmen zu Wort kommen lassen. Da hat Herr Quaderer gut aufgepasst, denn anders ist diese Perspektive allemal: Hier spricht ein frischgeborenes Klugscheißerbaby, das bereits mit Platons Höhlengleichnis vertraut ist. Kein Wunder, dass der kleine Johann von seinen Eltern unterschätzt wird – vom Vater (dem klassischen Versagertypen) und seiner Mamá, die jedes seiner Geräusche als Anlass deutet, sich die Bluse aufzuknöpfen.

Quaderer greift in seiner Erzählung auf Vertrautes zurück (Prophezeihungsszenario, böse Zwillinge, unterfordertes Genie unter Normalos), aber wen stört das? Wie Esther Kormann einleitend verrät, geht es im weiteren Verlauf des Romans um geklaute Daten. Und, in diesem Punkt gebe ich Frau Kormann Recht, Benjamin Quaderer weiß, wie man eine Geschichte baut und angenehm vorträgt. Da freut sich auch das hüstelnd kichernde Publikum.

 

 

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