Wie verändert das Schreiben dich?

Einer Bekannten sagte ich vor Jahren: Jedem, der sich in seinem Leben langweile, würde ich dies dringend empfehlen: schreiben; Gedichte schreiben (und das meint ja immer auch: Gedichte lesen). – Das war natürlich mit einer ungebremst naiven (deshalb nicht falschen) Emphase gesprochen. Ich würde nachträglich zumindest rasch ergänzen wollen: Man bringe bitte mit … eine kleine Lust an Ungewissheit, Sturheit, Sanft-, aber auch Übermut; ein gerüttelt Maß an Eigensinn. Auch hier und jetzt wird selbstverständlich mit Begeisterung gesprochen (wurde vor einigen Wochen an der Kleinen Blau geschrieben). Aber es ist keine Selbstbegeisterung, sondern ein interessiert beobachtendes Verweilen an Zuständen, die wechselhaft, permeabel sind … Das Schreiben macht dich (mich) offener. Gieriger, neugieriger. Es macht zornig und vorsichtiger, skeptisch. Es fördert Unruhe. Und Nachsicht, Zärtlichkeit. – Es ist Intensität (Aufmerksamkeit), die immer auch ins Abseitige geht, der Mühe bedarf. Terrain mit Amplituden. So oder so: Distanz, Exploration.

Blaupark, Novemberulm