Heut beginnt das 18. poesiefestival berlin. 170 Dichter & Künstlerinnen aus 42 Ländern hat das Haus für Poesie zum Festival eingeladen, das heute Abend mit Weltklang – Nacht der Poesie in der Akademie der Künste eröffnet wird.

Bis zum 24. Juni finden zahlreiche Lesungen, Diskussionsrunden & Performances statt. Einige der Highlights sind:

Samstag 17. Juni – Samstag 24. Juni

Seit 15 Jahren schreibt der Schweizer Dichter Franz Dodel (geb. 1949 in Bern) an seinem Langpoem Nicht bei Trost (bis 2004 erschienen bei Edition Haus am Gern, ab 2008 bei Edition Korrespondenzen). Mittlerweile umfasst sein Werk, das auf der Struktur des traditionellen japanischen Haikus basiert, 32001 Zeilen. Franz Dodel wird während des Festivals täglich aus seinem Werk lesen.
Die Festivalgäste sind aufgerufen, für jeweils 15 Minuten aus „Nicht bei Trost“ zu lesen. Informationen gibt es hier

 

Samstag, 17. Juni

Poets‘ Corner bringt Gedichte in die ganze Stadt. Verteilt über einen Tag lesen und performen in Berlin lebende Lyrikerinnen und Lyriker ihre Werke in Bibliotheken, Galerien, Museen und Kulturzentren: überall, wo es für Poesie Raum gibt und sie auf die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadtteile trifft.

 

Sonntag, 18. Juni

Die Berliner Rede zur Poesie 2017 hält der schottische Dichter und Romancier John Burnside (geb. 1955 in Dunfermline). Burnside entwickelt in seiner Rede „Wo die Exekutive ihre Finger einzieht?“ seine poetologischen Überlegungen, indem er dem berühmten Vers Dichtung bewegt nichts von W.H. Auden widerspricht. Für Burnside ist Dichtung essentieller Bestandteil des Menschseins. Sie lehrt uns den gleichberechtigten Gebrauch all unserer Fähigkeiten und führt zu einem umfassenderen Verständnis der Dinge. In diesem Sinne ist Dichtung auch ein politisches Instrument, das heute, „mit einem verrückten König im Palast und steigendem Wasserpegel“, dringend benötigt wird. Burnside erteilt den aufkommenden Nationalismen und der Fremdenfeindlichkeit eine entschiedene Absage; gleichzeitig ist die Rede ein kraftvolles Plädoyer für die Dichtung als praktische Form des verantwortungsbewussten Denkens und Handelns.

 

Dienstag, 20. Juni

Erstmals kommt kurdische Dichtung in Deutschland auf eine Festivalbühne. Kurdinnen und Kurden leben in verschiedenen Staaten und sind aufgrund ihrer Sprache Schikanen, Verfolgung oder Ignoranz ausgesetzt. Der Zugang von deutscher Seite aus gestaltet sich oft schwierig. Dabei spiegelt sich die reiche und vielfältige kurdische Geschichte und Kultur in vielen Dialekten und verschiedenen Schriftsystemen wider. Der kurdisch-deutsche VERSschmuggel bietet sechs kurdischen und sechs deutschen Dichterinnen und Dichtern den einmaligen Freiraum für ein Experiment: Paarweise übersetzen sie sich an drei Workshop-Tagen gegenseitig. Interlinearübersetzungen der Gedichte des jeweils anderen sind ihr Ausgangsmaterial, Dolmetscher unterstützen sie und übersetzen die Arbeitsgespräche. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit werden an diesem Abend präsentiert.

Mit Mirko Bonné DEU | Eskerê Boyîk ARM | Yildiz Çakar TUR | Carolin Callies DEU | Simone Kornappel DEU | Kerîm Kurmanc IRN | José Oliver DEU | Ilma Rakusa SVK/DEU | Tobias Roth DEU | Fatma Savci TUR/SWE | Anahîta Şêxê SYR | Mueyed Teyîb IRQ

 

Samstag, 24. Juni

Den Abschluss des poesiefestival berlin bildet das poetische Treiben auf dem Lyrikmarkt. Neben dem Festivalthema Europa wird ein besonderes Augenmerk auf Dresden und sein vielfältiges und buntes Kulturleben gelegt. In Kooperation mit dem Literaturhaus Villa Augustin bekommen Künstlerinnen und Künstler der Kulturmetropole eine Bühne und präsentieren sich poetisch, vielfältig und multikulturell, von Lesungen über Spoken Word und poetische Störaktionen durch das Lyrikkollektiv G13 bis zu Liedern und Bastelworkshops.