Peter M. ist ein durchschnittlicher Typ. Sein Tag ist durchgetaktet, seine Wohnung stets sauber, sein Hemd gebügelt. Sein Leben ist alles andere als aufregend. Doch eines Tages nach der Arbeit passiert etwas, das Peter aus der Bahn wirft. Denn plötzlich hat er einen ungewöhnlichen Gedanken: Wie viel länger wird es wohl dauern, wenn er heute zu Fuß nach Hause geht?

Mit diesem Gedanken setzt sich Lukas Diestels Kurzgeschichte „Peter M. stellt sich vor“ in Gang. Denn ausgerechnet, während Peter ausnahmsweise etwas wagt und einen anderen Weg als normalerweise nach Hause wählt, verdoppelt er sich — Ein Peter fährt mit der Straßenbahn und einer geht zu Fuß. Von nun an formt sich mit jeder gedanklichen Vorstellung einer der Peter ein weiterer. Und so beginnt die skurrile Erfahrung des Peter M.

Lukas Diestel scheint mit diesem Text einen satirischen Blick auf die Vorstellungskraft und deren Grenzen zu werfen. Seine Wortwahl ist dabei genauso korrekt wie Peter selbst. Mit präzisen Worten erzählt er von der voranschreitenden Vervielfältigung der Peter, die schließlich zum kompletten Chaos führt. Trotz des Witzes, der sich langsam und stetig aufbaut, fehlt es dem Text außerdem nicht an Tiefgang. Auch Politisches baut der Autor elegant in seinen Text ein:

Jemand warnte vor Peak Peter, ein anderer, den sich ein Peter als empathielos vorgestellt hatte, gründete eine Zweigstelle der CSU und forderte eine Obergrenze für neue Peter und außerdem, dass die Antonios, die mittlerweile immerhin zu dritt waren, sofort die Wohnung verlassen sollten, da sie die Auflösung herkömmlicher Peterstrukturen vorantrieben.

Mit seinem Text sorgt Lukas Diestel für einige Lacher im Publikum. Doch was ist die Moral von der Geschicht‘, von diesem modernen Märchen, das uns der Autor erzählt? Peter ergreift schließlich die Flucht, flieht vor den anderen Peter und nimmt sich vor, sich nie wieder etwas vorzustellen: Eine konsequente, aber auch traurige Moral. Lukas Diestel präsentierte damit den witzigsten Text des Tages, der an Fantasie und Absurdität kaum zu übertreffen ist. Einzig das rasante Lesetempo beim Vortrag gibt es zu kritisieren, ansonsten ist Peter nicht nur Publikums-, sondern auch Redaktionsliebling.