Schweinchen|Glück

Die Sau ist angeschnallt. Wir fahren los. Ich und die Sau, in Urlaub, fort. Vielleicht, dass wir auch wiederkommen; die Sau ist sich sicher, ich noch nicht.
Wir einigten uns: Wir sprechen drüber am achten Tag. Dann bleiben uns zwei, uns zu versöhnen — miteinander und zuhaus oder damit: fort ist fort.
»Anderswo«, hab ich gesagt, »kann’s schöner sein als hier, zuhaus.«
»Anderswo ist’s einfach anders«, hat die Sau darauf gesagt.
»Manchmal«, hab ich da gesagt, »ist das gerade, was man braucht.«
Da hat sie gesagt: »Und manchmal nicht.«
»Du warst nie fort«, hab ich gesagt, »du weisst noch nicht, wie sehr du’s brauchst.«
Da hat sie gesagt: »Dann zeig’s mir halt.«

 

Wir fahren. A5, A1, A2. Ich am Steuer, daneben die Sau, sie sitzt da, ach, sehr selbstverständlich, aufrecht auf dem Sozius, den Sicherheitsgurt um Brust und Bauch, streckt von sich die Schweinebeine, am Fenster zieht das Land vorbei: Murghental, Strengelbach, Erstfeld, Quinto, die Ferne, Fremde, Pause, Stau.
Sie bleibt wach, die ganze Fahrt.
»Zuhause«, hab ich ihr gesagt, »können wir nicht Freunde sein.«
Da hat sie gesagt: »Das sind wir doch!«
»Vater lässt’s nicht gelten«, meine Rede, »›Zum Befreunden‹, sagt Vater, ›sind Schweine nicht da‹
»Wir erklären ihm: Sie sind es doch«, hat die Sau darauf gesagt.
»Eines Tags«, hab ich gesagt, »wird Vater dich schlachten, sag ich dir.«
Da hat sie gesagt: »Vielleicht auch nicht.«

 

Der Zoll rollt an. Die Sau hält still. Sie zappelt nicht, sie wackelt nicht, sie sitzt mit Ruh in ihrem Sitz. Ich hab’s geahnt: Man winkt uns raus. Ich sag zur Sau: »Nur ruhig, kommt gut!«, sie erwidert: »Was auch sonst?«
Wir halten an. Man steht vor uns, vor unserm Wagen, Bart und Brille im Gesicht. Ich kurble am Fenster, Italienisch, die Sau, sie blinzelt freundlich raus.
Man fragt mich streng: »Wo geht es hin?«
Ich erkläre redlich: »In Urlaub geht’s.«
»…mit der Sau?«, hakt man da nach.
»Mit der Sau — genau«, geb ich zurück, »zehn Tage lang, nach Genua, sie hat noch nie das Meer gesehen.«
Man lacht. Man sagt: »Dann wird es Zeit!«


Baba Lussi, 1989 in Basel geboren, studierte deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft in Zürich und anschließend am Schweizer Literaturinstitut in Biel. Sie schreibt Gedichte, Kürzest- und Kurzgeschichten, übergreifend: rhythmisiert. Immer und immer und immer wieder tun es ihr in ihren Texten Sonderbares & Sonderlinge in ebensolchen Situationen an.