Eine Möwe gab’s in echt; ein Eichhörnchen, Enten, Taucher auch. Delfinschnattern, Pferderäuspern, Käuzchenrufe: nachgeahmt. Die Lok fuhr ohne Wagen durch. Ein einziges Flugzeug in drei Tagen, drei Tage lang ein blanker See. [Allein erträglich, zu zweit mehr schlecht, als man sich zur selben Zeit bei Sicht über den See ertappt. Wär’s nicht pathetisch, wär’s romantisch — Glück ist, dass man schweigen konnt.] Arthrose kursierte, etwas Grippe, für den Winter empfahl man Zink. Zeremonielle Reden nur mit Mass. Verlorengehn nach elf Uhr nachts, letzte Rettung: das Ding aus Glas. [Der Wintergarten war das nicht.] Zwanzig Minuten Scharadespiel; Toms Marylin und Lukas’ Weltschmerz, malen konnt hier keiner recht. Alle Schreiber fanden heim [Der Rezeptionist wird nie erfahrn, dass er’s Anna zu verdanken hat!], die guten Stimmen zueinander als beste Freundschaft ab Freitagnacht; bis Sonntag vergessen, wie’s so kam. Wenigstens ein Missverständnis. Zwei Chancen für Gerüchte vertan. Ein Hemd gebügelt im Korridor. Mittagsschlaf. Mittagsschlaf. Mittagsschlaf. Erzählt: von der Zirkusnummer mit Seehund Roxy, von brennenden Betten, Ziegen-Asyl; vom Katzen-Spaziergang und Otto Waalkes und pneumatischem Leichentransport; von fünf Minuten Regelbruch, vom Albino-Maulwurf und Affe Schuschu. [Viel von Peters Affe Schuschu. Und überhaupt ging’s hier sehr viel ums Tier.] Futterneid: soweit im Griff. [Gründe gab’s genug dazu: die Semmelknödel, oft den Fisch, einen von zwei Kartoffelgratins – auf dass man nur den ersten traf.] Man hört, dass es hier auch solche gab, die für fünfzig Cent auf der Fähre warn; andre haben’s bis zuletzt nicht vom Grundstück fortgeschafft. Vielleicht, dass einer doch baden ging. Vielleicht, dass man weinte, samstags, spät; der Doku wegen mit den Affen, die sich umarmten, frei gesetzt. [Eine Empfehlung von vielen nur. Entziffert am Sonntag auf der Hand: Kugelschreiberspurn.] Pinguin-Deko, Pausenkuchen, lange Tage, wenig Zeit. Wie Schullandwoche, nur in Gross – mit Wein statt Tee, mit Einzelzimmern, aber ohne Disco-Schluss. Massenaufbruch, überstürzt; Mittagessen kaum gekaut. Karten nur für die halbe Crew. Schneller Abgang, Julianes Kusshand, so war das hier am Schwielowsee.*

[* Übers Schreiben geredet: ja, das auch. Über die Texte, die’s gibt und geben wird. Dreimal nach dem Stundenplan, dazwischen auch ganz ohne den.]


Baba Lussi, 1989 in Basel geboren, studierte deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft in Zürich und anschließend am Schweizer Literaturinstitut in Biel. Sie schreibt Gedichte, Kürzest- und Kurzgeschichten, übergreifend: rhythmisiert. Immer und immer und immer wieder tun es ihr in ihren Texten Sonderbares & Sonderlinge in ebensolchen Situationen an.