Auch im Frühling 2018 erscheinen wieder viele spannende Prosa- und Lyrikdebüts. Einige von ihnen stellen wir in den kommenden Wochen vor. Den AutorInnen haben wir ein paar Fragen zur Literatur und Person gestellt.
Heute: Marie Gamillscheg


Marie Gamillscheg nimmt den Leser mit in eine allmählich verschwindende Welt. Vielstimmig und untergründig erzählt ihr Debüt Alles was glänzt von einer kleinen Schicksalsgemeinschaft im Schatten eines großen Bergs und vom Glanz des Untergangs wie des Neubeginns.

Tief in den Stollen des alten Bergwerks tut sich was – und alle im Dorf können es spüren. Die Wirtin Susa zum Beispiel, wenn sie im »Espresso« nachts die Pumpen von den Ketchup-Eimern schraubt. Oder der alte Wenisch, ihr letzter Stammgast. Sogar der Bürgermeister, wenn er nicht gerade auf Kur ist. Zuallererst aber hat es der schweigsame Martin gespürt, bis er dann eines Morgens die Kontrolle über sein Auto verlor. Es ist, als würde der Berg zittern, als könne er jeden Augenblick in sich zusammenbrechen. Für die junge Teresa und den Neuankömmling Merih ist die Sache klar: Sie will sich endlich absetzen aus dem maroden Ort, er hingegen sucht einen Neuanfang – ausgerechnet hier.


Wie lautet der erste Satz deines Debüts?

Fressen und gefressen werden, das war schon immer so.

Bist du mit ihm zufrieden? Warum (nicht)?

In dem Roman stecken Entscheidungen, die habe ich vor über drei Jahre getroffen. Natürlich finde ich die nicht immer gut. Damit wollte ich mich lang nicht abfinden, jetzt aber weiß ich, dass das wohl dazugehört. Ein Roman ist auch das Zeitdokument einer Lebensphase der Autorin. Und natürlich mag ich ihn. Ist ja mein Baby.

Was gefällt dir am besten am Schreiben? Und was findest du am unangenehmsten?

Dass ich dadurch gut mit mir allein sein kann. Dass ich dadurch viel allein bin.

Wenn du könntest, welchen Rat würdest du deinem Ich von vor zehn Jahren geben?

Trau dich! Und deine Haare sind gelb, das sieht nicht gut aus!

Bereust du etwas? Was?

Dass ich nicht öfter wütend war, nach außen hin.

Welches Gericht kochst du am besten?

Kürbisrisotto mit viel Parmesan und Kürbiskernöl


Marie Gamillscheg, geboren 1992 in Graz. Lebt in Berlin, arbeitet als freie Journalistin u.a. für ZEIT Campus. 2015 u.a. Literaturförderungspreis der Stadt Graz und New German Fiction Preis. 2016 Klagenfurter Literaturkurs und Arbeitsstipendium des Berliner Senats, 2017 Aufenthaltsstipendium in Schöppingen. Veröffentlichungen in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien (u.a. Edit, Lichtungen, Poet, Literarische Welt).


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