Demian Lienhard & Olivia Meyer Montero

Demian Lienhard

 Demian Lienhard

Demian Lienhard, geboren 1987 in Baden / Schweiz, ist Archäologe. Von seiner Assistenz an der Goethe-Universität Frankfurt am Main beurlaubt, bereist er derzeit im Rahmen des einjährigen Reisestipendiums des Deutschen Archäologischen Instituts u.a. Nord- und Ostafrika sowie den Mittleren Osten. Er hat in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht und mehrere Literaturpreise und -stipendien erhalten. Er war unter anderem Finalist des 24. open mike 2016, Schwazer Stadtschreiber 2017 und Träger des Literaturpreises Prenzlauer Berg 2018.

Wann schreibst Du am liebsten?
Damit anfangen muss ich am Morgen. Unbedingt. Oder vielmehr in seiner zweiten Hälfte. Den Stunden, die in der Schweiz noch als Morgen gelten und in Deutschland als Vormittag: ab zehn Uhr in der Früh also, und dann wird geschrieben, bis mittags um zwei ungefähr. Wichtig auch: Es müssen freie Tage sein, frei von allem: keine Impftermine, keine Telefonate, kein Bier am Abend, außer ein spontanes.

Wer liest Deine Texte zuerst?
Mein Alter Ego wahrscheinlich, nachdem der Text Wochen in der Schublade gelegen und im Kopf gegärt hat.

Was bedeutet Literatur für Dich?
Literatur bedeutet mir die Welt, in beiden Sinnen und mit allen: Sie lässt mich in fremde Köpfe eintauchen und Welten, öffnet mir neue Perspektiven und vermeintlich bekannte, sie macht mich unbequeme Meinungen verstehen und meine eigene überdenken, sie lässt mich reisen in Raum und vor allem: in der Zeit.

Was wäre, wenn Dir jemand die Möglichkeit zu Schreiben wegnähme?
Es würde bedeuten, dass man mir nimmt, was mich am meisten umtreibt im Leben: Was mir die größte Zufriedenheit verschafft, aber auch das, worüber ich mich am meisten aufrege, am meisten fluche, am meisten nachdenke. Wahrscheinlich würde ich dann nach Brasilien auswandern, eine Strandbar eröffnen und jeden Abend phlegmatisch in meinem Liegestuhl zubringen und darauf warten, dass die Sonne über dem Atlantik untergehe. Bis mir irgendwann einfallen würde: Das tut sie ja dort gar nicht, nie. Mich darüber aufzuregen, das würde mir dann als neuer Lebensinhalt herhalten.

Was erfüllt Dich mit Hoffnung?
Dass sich die ständige Angst, eines Morgens aufzuwachen und nie wieder auch nur ein Wort zu Blatt bringen zu können, bisher nicht zur Wahrheit geworden ist.

Was würdest Du anders machen, wenn du wüsstest, dass Dich niemand beurteilt?
Ich würde viel zu viele Dinge schreiben oder stehen lassen, die ich mir gegenwärtig nicht erlaube oder spätestens beim ersten Korrekturdurchgang streiche.

Dein gegenwärtiger Geisteszustand?
Blümerant und leicht aufgeregt.

Erster Satz Deines open mike-Textes?
Ich habe Jack an jenem Tag kennengelernt, als hinter unserem Haus ein Fünfundzwanzigjähriger vom Himmel gefallen ist.

Dein aktueller Buchtipp und warum?
Grace Paley, Die kleinen Widrigkeiten des Lebens. Ich kenne keine Erzählerinnen, die so scharfsinnig beobachten und so scharfzüngig vor sich her schwadronieren wie jene aus Paleys Erzählungen.

Schick uns ein Bild von Deinem Lieblingsarbeitsplatz und schreibe etwas dazu.

Arbeitsplatz von Demian Lienhard

Da ich ständig meinen Wohnort wechsle, gibt es leider nicht den Lieblingsarbeitsplatz. Dank meinem Talent, aus dem Nichts ein Chaos anzurichten, gelingt es mir allerdings meistens innert Minuten, aus jedem noch so eintönigen Schreibtisch einen ganz und gar persönlichen Arbeitsplatz werden zu lassen.

Demian Lienhard wurde ausgewählt von Katharina Picandet.

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Olivia Meyer Montero

Olivia Meyer Montero

© Hannes Caspar 

Olivia Meyer Montero wurde 1984 in der Schweiz geboren. Seit zehn Jahren ist sie jedoch Wahlberlinerin. Sie studierte zeitgenössischen Tanz und später Schauspiel. Seither unterrichtet sie Kinder und Jugendliche, arbeitet als Synchronsprecherin, spielt mal mehr und mal weniger Theater und schreibt. 2016 wurde ihr erstes Theaterstück »Flirren//eine Endzwanziger Apokalypse« im Theater unterm Dach in Berlin gespielt, sie war Autorin beim 24h Theater.

Wann schreibst du am liebsten?
Wenn es draussen dunkel ist, oder in der Bahn.

Wer liest deine Texte zuerst?
Mein bester Freund und Mitbewohner.

Was bedeutet Literatur für dich?
Keine Ahnung … ich les halt gern.

Was wäre, wenn dir jemand die Möglichkeit zu schreiben wegnähme?
Meine Gedanken und das, was die Welt in mich hineinschüttet, würde sich in mir stauen. Ich würde explodieren.

Was erfüllt dich mit Hoffnung?
Feminismus, 90er Jahre Techno und Ernst Jandl.

Was würdest du anders machen, wenn du wüsstest, dass dich niemand beurteilt?
Frei drehen.

Dein gegenwärtiger Geisteszustand?
Woohooooo!!!

Erster Satz deines Open Mike Textes?
Jetzt wo ich in der Bahn sitze, denke ich an Suizid.

Dein aktueller Buchtipp und warum?
Ernst Jandl »Laut und Luise«. Er gibt mir Hoffnung.

Schick uns ein Bild zu deinem Lieblingsplatz und schreib etwas dazu.

Arbeitsplatz von Olivia Meyer Montero

Zwischen Dichtung und Wahrheit.
So gefällt es mir am besten zu schreiben.

Olivia Meyer Montero wurde ausgewählt von Kristine Kress.