Eine Party auf einer Pferderanch in Namibia. Das ungewöhnliche Setting dieser Kurzgeschichte ruft Bilder der deutschen Kolonialgeschichte auf. Doch will dieser Text das überhaupt?

Mit einem guten szenische Einstieg bin ich sofort in der Story: Eine Irrfahrt im Auto auf der Suche nach der Party. Die Namen der Beteiligten erinnern eher an einen anderen kulturellen Kontext als an den Westafrikas. Auffällig ist auch die stark überzeichnete Darstellung der Menschen des Landes im Gegensatz zu den Europäern. Aber, zurück in der Geschichte: Kommen sie bald an?

Hier gab es einen Springbrunnen, eine Voliere, viele Hängematten zwischen den kleinwüchsigen Akazien und hinten bei den Koppeln: die tanzenden Europäer.

Ich möchte mich sofort in den tanzenden Europäern wiederfinden, doch so ganz will es nicht funktionieren. Die Gesellschaft, die auf Gegensätzen aufgebaut ist, wird nur andeutet, selten konkret oder gar kritisch benannt. Niemals scheint sich das Ich ein Urteil zu erlauben. Oder braucht diese Geschichte das Setting Namibias?

Die Pferde galoppierten neben meinem Körper; der Boden vibrierte, ich kniff die Augen zusammen, der Rauch wurde über die gesamte Ebene getrieben, ich lag am Boden des Obstgartens.

Die Stärke des Textes liegt besonders in der Unmittelbarkeit der Szenen. Nach einer unbehandelten Verletzung am Fuß der Erzählstimme und einer Nacht im Zelt steigern sich die Ereignisse. Die Ranch brennt, die Pferde und die europäischen Partygäste flüchten nach und nach. Ich habe das Donnern der Pferdehufe im Ohr, den Rauch in der Nase. Wie ein Kurzfilm laufen die Ereignisse vor meinem inneren Auge ab, und schon sind die fünfzehn Minuten Lesezeit um.

In ruhiger, fester Stimme trägt Marina Schwabe ein sicheres Stück Prosa vor, dem man in der bedachten, doch starken Sprache viel Schreiberfahrung anmerkt. Eine Nacht in Namibia, der das Unheil zwischen den Zeilen zu stehen scheint.