Liebe! Es geht um Liebe! Finally – aber nicht nur.

Die Gefahr in Kitsch zu verfallen ist groß, wenn man sich der ersten großen Liebe widmet. Doch Katharina Goetze schafft es in »Das Suchen nach dem Finden«, dem zu entgehen – meistens. Über den Titel könnte man allerdings nochmal nachdenken.

Und ich stehe neben dir und versuche, etwas zu sagen, das vor uns beiden verbirgt, dass die Dinge, die dir wichtig sind, mir nicht dasselbe bedeuten.

Es ist ein fragmentarisches Erzählen über die Liebe in Zeiten der Globalisierung. Ideale treffen aufeinander, und wie sind unterschiedliche Lebensentwürfe vereinbar? Die Tatsache, dass Katharina Goetze in Ägypten und Laos gelebt hat, verstärkt meinen Eindruck, dass dieser Text sehr nah an der Autorin ist. Darin liegt auch seine Stärke. In seiner Einleitung verweist Lektor Jan Valk auf Bindungsenergien und die Umlaufbahn von Menschen und Körpern, das Kreisen und das Ausbleiben des Zueinanderfinden. Wer braucht die andere Person mehr, wer weniger? Wie lässt sich über Kontinente hinweg eine Balance finden?

Ich wache nachts auf und die Hälfte des Bettes neben mir ist leer. Du bist im Irak. Das ist keine Metapher. […] Mein Ekzem ist nach Jahren des Kratzens und Blutens mit dir verschwunden. Vielleicht ist mein Körper die Metapher.

Trotz der wirklich schönen Formulierungen finden sich im Text sehr starke Eindeutigkeiten, die es gar nicht braucht. Wieso sollte die Anwesenheit im Irak (k)eine Metapher sein? Der Irak als Synonym für Krieg? Stattdessen der Körper des Ichs als Metapher? Etwas holprig wirken diese Verweise, da ist noch Luft nach oben. Auch die Funktion des jeden Teil einleitenden Satzes »Ich wache nachts auf« wirkt etwas steif.

Abgesehen davon wirft Katharina Goetze einen melancholischen und sehr zugänglichen Blick auf das Scheitern einer Beziehung, die unterschiedliche kulturelle Kontexte überbrückt, und gleichzeitig erweitert sie den Blick nach draußen. Denn neben dem Kosmos der immer weiter auseinanderdriftenden Zweisamkeit gibt es in der »echten« Welt draußen Kämpfe, Krisen und Kriege. Und das ist wirklich keine Metapher.