Schreiben ist harte Arbeit, der Autor*innen zunächst komplett allein ausgesetzt sind. Lucy Fricke zeigt in ihrer Überlebenswerkstatt auf, was es zu beachten gilt, um eine Existenz rund um das Schreiben aufzubauen und sich dabei nicht selbst zu ruinieren.

Autor*in zu werden ist wahrscheinlich mehr Berufung als Beruf, umso mehr ist es aber auch eine Entscheidung für ein ganz bestimmtes Leben. Die oft verschrieene »Künstlerexistenz«, der Topos von den »armen Künstlern« – alles kein Stoff, um große Euphorien in dieses Leben zu setzen. Und doch sitzen knapp 20 angehende Autor*innen im Workshop mit Lucy Fricke, um mehr über das Überleben als Autor*in zu lernen.

Lucy Fricke hat das geschafft, was leider nicht allen Autor*innen vergönnt ist. Sie hat sich durchgesetzt, ihr vierter Roman Töchter von 2018 schaffte es auf die Bestsellerlisten und wird momentan sogar verfilmt. Sie kann von ihrem Schreiben leben, doch bis dahin war es ein langer, steiniger Weg. Der Workshop geht entlang ihres Weges, berührt alle Stationen vom Schreiben zum Manuskript, von der Agentur zum Verlag und in die Öffentlichkeit.

Das Ziel ist klar: Illusionen von gradlinigen Autor*innen-Karrieren herunterzudimmen und auf die Gefahren, die Schwierigkeit, die unzähligen kleinen Komplikationen, Umwege und Schleifen hinzuweisen, die auf dem Weg zum Erfolg zu meistern sind. Und Tipps zu geben, wie dies am besten funktionieren kann, oder zumindest, wie es bei Fricke funktioniert hat.

Die Strategien können immer nur individuelle sein, soviel ist klar, doch die Tipps der Autorin fallen auf fruchtbaren Boden. Auch wenn die Gesichter der Teilnehmer*innen bisweilen ungläubig bis irritierte Ausdrücke zeigen. Denn wer denkt schon mitten in der Auseinandersetzung mit dem ersten Manuskript viel weiter als bis zu dessen Abschluss? Und doch sind die Suche nach der richtigen Agentur, dem richtigen Verlag mit dem passenden Vertrag (und Vorschuss) und auch einem Lektorat, dem man sich anvertrauen möchte, Punkte, über die es sich schon nachzudenken lohnt.

Auch über die kleinen Dinge des Lebens. Krankenversicherung, Rente, Veranstaltungen, Stipendien und Honorare mögen dröge und unwichtig erscheinen im Angesicht großer Kunst, aber es geht auch nicht ohne. Über allen Ratschlägen zu teilweise sehr speziellen Problemen steht aber ein großer Ratschlag: Bildet Banden!

Lucy Fricke wird nicht müde dies zu betonen. Es ist das Wichtigste bei einer Tätigkeit, die zum größten Teil allein am Schreibtisch stattfindet, um sich nicht allein zu fühlen, nicht allein gegen den großen Literaturbetrieb zu kämpfen. Rauszugehen aus der eigenen Komfortzone und sich mit anderen Autor*innen zusammenzutun. Zu sprechen über Texte, sich Lesungen und Veranstaltungen zu organisieren, gegenseitig zu unterstützen, füreinander da zu sein und Erfahrungen zu teilen. Der open mike bietet die perfekte Gelegenheit, damit anzufangen.