Markus Ostermair war 2017 Finalist beim 25. open mike und las dort seinen Text »Karl Maurers Streifzug«. Vor Kurzem erschien im Osburg Verlag sein Debütroman Der Sandler, in dem er die Geschichte von Karl Maurer weitererzählt. Wir haben Markus Ostermair ein paar Fragen zu seinem Debüt gestellt.


Ein Roman über Reue, Ausgrenzung, fehlende und dann auch wieder überra­schende Solidarität. Selten hat sich ein Roman so intensiv und kenntnisreich mit Obdachlosen auseinandergesetzt.
Einer von ihnen ist Karl Maurer. Er mäandert durch die Stadt, besucht Suppenküchen und Kleiderkammern und manch­mal wird er von den Bildern seines früheren Lebens eingeholt – von seiner Frau und seiner kleinen Tochter, der Zeit als Mathe­matiklehrer und dem Kind, das ihm vors Auto lief. Gleichzeitig durchstreift auch sein Freund Lenz die Stadt auf der Suche nach ihm. Lenz, ein Zettelschreiber und Utopist, spürt, dass es mit ihm zu Ende geht. Er will Karl seine unfertigen Notizen vermachen und, was noch viel wichtiger ist, den Schlüssel zu seiner Wohnung, die er geerbt hatte, in der er sich aber geweigert hatte zu leben.
Lenz’ Tod ist ein Wendepunkt. Die Wohnung könnte Karls Chance sein, die diffusen, stets auf die lange Bank geschobenen Pläne, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, in die Tat umzusetzen. Auch Kurt, ein Haftentlassener, der stets den An­griff für die beste Verteidigung hält, merkt, dass er sein Leben ändern muss. Er sucht ebenfalls eine Bleibe, die er mit nieman­dem mehr zu teilen braucht.
Der Sprachlosigkeit der Obdachlosen setzt Markus Ostermair eine Sprache ent­gegen, die nahe an ihr Leben heranführt, ohne dabei zu werten, zu romantisieren oder voyeuristisch zu sein.


Was schoss dir durch den Kopf, als du dein Debüt zum ersten Mal in den Händen gehalten hast?

Im Kopf ging nicht viel. Im Magen und in der Lunge war mehr los.

Wie lautet der erste Satz deines Debüts?

Das darf man eigentlich niemandem erzählen, denkt Karl.

Was gefällt dir am besten am Schreiben? Und was findest du am unangenehmsten?

Das Sich-Erinnern an sehr konkrete Situationen und das Sich-davon-wieder-Lösen, um nicht meine Geschichte, sondern die der Figur zu erzählen. Ich brauche einen Kern, von dem aus sich dann in die Weite und in die Tiefe gehen lässt.
Am unangenehmsten empfinde ich, wenn sich Gedanken an den Betrieb ins Schreiben einschleichen.

Wenn du könntest, welchen Rat würdest du deinem Ich von vor zehn Jahren geben?

Geh jeden Umweg. Wenn du dir aber zu sehr selbst dabei gefällst, wie du den Umweg gehst, dann kehr um.

Bereust du etwas? Was?

Im ersten Moment sehr viel. Dann wieder nichts davon.

Mit welchem Autor / welcher Autorin würdest du gern mal ein Bier trinken gehen?

Ich mag kein Bier! Und ich glaube, es ist heilsam, seinen Vorbildern persönlich nicht zu nahe zu kommen. Ansonsten könnte ich wohl gut einen Nachmittag damit zubringen, Arno Schmidt durch die Latten seines Zauns zu beobachten.


Markus Ostermair, geboren 1981, lebt in München, wo er Germanistik und Anglistik studierte. Seine Auseinandersetzung mit dem Thema Obdachlosigkeit begann als Zivildienstleistender in der dortigen Bahn­hofsmission. Er nahm an der Bayerischen Akademie des Schreibens teil und erhielt für Der Sandler diverse Stipendien und För­derpreise, darunter das Literaturstipendium der Stadt München und ein Residenzstipen­dium auf Schloss Wiepersdorf. 2017 war er Finalist beim Wettbewerb open mike in Berlin. Der Sandler ist sein literarisches Debüt.