Nachdem die Blogredaktion im letzten Jahr die alten Diddl-Poesiealben hervorgekramt und digital enhanced hat, schauen wir dieses Jahr ins produktive Herz der Blogger*innen: auf ihre Schreibtische. In zwei Beiträgen stellen wir uns anhand unserer Deskologie vor, der sagenumwobenen Wissenschaft der Schreibtische. »Beschreib‘ mich über’n Schreibtisch« lautet das Motto. Den Anfang machen Anne Sauer und Helene Schlesier.


Anne Sauer

Stefan über Annes Schreibtisch in regular, Anne dazu in fett:

Annes Schreibtisch verbindet zwei Ebenen zu einem mehrdimensionalen Ensemble, in dem Symmetrie eine hervorgehobene Rolle spielt. Am deutlichsten spiegelt sich dies im hinreißenden Arrangement zweier Locher, die sich zärtlich einander zuneigen, auf dass sie das schmale Blatt, das noch zwischen sie passen mag, beständig immer weiter mit kleinen Löchern versehen, bis es im Nichts verschwindet. 

Ich bin entzückt. Und ich wusste gar nicht, dass so viel unbewusste Symmetrie in meinem täglich Schaffen versteckt ist. Eins passt aber, ich denke gern in sämtlichen Dimensionen. Muss an meinem Philosophie-Studium liegen, eine Perspektive allein reicht mir einfach nicht. 

Auch sonst verbindet sich viel auf der unteren Ebene: In drei der vier Ecken stecken in diesem Fall Verweise auf ihr literarisches Hobby, den Blog Fuxbooks. Links unten liegen die Bücher, aktuelle Belletristik, natürlich, darüber hängt der namengebende Fuchs, rechts steht das Mikrophon, mit dem gelegentliche Podcasts aufgezeichnet werden. In der Mitte bündelt sich dann alles in analog-digitaler Symmetrie in Notizbuch und Notebook. Der virtuelle Schreibtisch von letzterem wirkt im Übrigen ähnlich aufgeräumt wie der analoge. 

Alles richtig, Stefan! Mein goldenes Dreieck aus Lesen, Spüren und Sprechen. Und im Zentrum das Schreiben, das ich wirklich immer erst mit Stift auf Papier erledigen muss. Der digitale Kalender ist mein Endgegner.

Der Fuchs ist das Bindeglied zur oberen Ebene, wo eine Kamera zwei Welten vereint: Weist sie einmal zurück auf das Bloggen und Fotos von gelesenen Büchern, geht ein zweiter Strahl in die weite Welt, und zwar den Fernen Osten in Gestalt von China und Japan wie Ziele auf unserem Breitengrad, die jedoch in sich weit entfernt liegen: Südafrika und Sizilien. Symmetrie allerorten, allein die auf den ersten Blick unbeschrifteten Ordner scheinen ein lautes »Mir egal!« in die Welt der Bürokratie zu schreien und der Symmetrie den Kampf anzusagen. Dazu passt der hinter der einzigen Pflanze herausblitzende Zorn, dessen weitere Zuordnung uns jedoch verwährt bleibt. 

Wieder richtig, der Fuchs verbindet alles und immer! Für mich jedenfalls. Immer schön aufs Bauchgefühl hören und im Zweifel abhauen, ist meine Devise. Abhauen würde ich übrigens sehr gerne mit den von dir genannten Reiseführern an die darauf prangenden Ziele. Klappte bisher nicht, meistens war ich schuld. Vielleicht deshalb der Zorn? Oh, und die Ordner sind zwar außen blank, innen aber pikobello sortiert. Weck mich nachts um 3, ich weiß, in welcher Klarsichthülle mein Impfausweis steckt.

So zeichnet der Schreibtisch das Bild einer multimedialen Bloggerin mit ausgeprägtem Hang zur Symmetrie, mit Schnitten in Richtung Tierwelt wie das Reisen, und einem neckisch-zornigen Unterton. 

Gekauft!


Helene Schlesier

Juliane über Helenes Schreibtisch in regular, Helene darauf in fett:

Auf Helenes Schreibtisch ist zwar viel los, aber das sieht mir nach einem wohl geordneten Chaos aus. Kreativität und Struktur – das sind Helenes Antriebskräfte. Der Schreibtisch an sich ist ein ganz einfacher, nicht-höhenverstellbarer Holztisch – zeitlos elegant, aber auf Dauer nicht so gut für die Haltung. Helene, wie geht’s deinem Rücken?? 

Ästhetik ist mir meistens irgendwie wichtiger als Funktionalität, wahrscheinlich ist mein Nacken deswegen ständig verspannt.

Die beiden Wissenschaftsbände zu Museen und auch die kleine Zettelwirtschaft mit den blauen Post-Its schreien regelrecht STUDIUM und READER. Ich tippe, dass Helene etwas Kulturwissenschaftliches studiert … vielleicht auch ganz einfach Kulturwissenschaft? 

Nicht ganz Kulturwissenschaften, aber ganz beinahe: Ich studiere Kunstgeschichte. 

Sie liest aber auch gern in ihrer Freizeit, dann am liebsten hippe Magazine wie Das Wetter (dabei trägt sie ihre Das-Wetter-Kappe) 

(ich wünschte, Caps würden mir stehen) 

oder Sachbücher mit psychologisch-fundiertem Hintergrund. Ihr literarisch-hipsteriges Image durchbricht sie mit der Wahl ihres Laptops – Helene folgt nicht jedem Hype und schon gar nicht den um überteuerte MacBooks. Einen grünen Daumen hat sie dagegen nicht, aber sie weiß, dass Pflanzen das Raumklima verbessern, weshalb das kleine pflegeleichte Ding mit den großen Blättern nicht fehlen darf auf dem Tisch.

Eigentlich soll es eine Orchidee sein, ich habe sie zu meinem 18. bekommen. Immerhin (über)lebt sie schon seit 4 Jahren. 

Sie mag beim Arbeiten – und auch sonst – weniger Tee und vielmehr Capuccino mit Hafermilch, weil der wach macht und trotzdem samtig-weich schmeckt. Kann nämlich schon mal vorkommen, dass Helene bis spät abends an ihrem Nebenjob sitzt. 

Spät abends kann ich mich am Schreibtisch trotz ausgeprägter Koffeinabhängigkeit leider auf gar nichts konzentrieren, auch nicht auf einen Nebenjob, wenn ich einen hätte

Nach den Vorlesungen richtet sie Wohnungen nach minimalistisch-skandinavischem Vorbild ein, hierfür fertigt sie sich ausgeklügelte Skizzen an. 

Werkeln und tüfteln, ja. Baumarktbesuche machen mich glücklich. 

Moderne Minimalismusmöbel nicht unbedingt. Ich plündere lieber den Möbelfundus meiner Eltern oder gehe auf den Flohmarkt. 

Zu warm darf es ihr dabei nicht werden, die Heizung steht die meiste Zeit auf Null – Heizungsluft ist eh schlecht für die Schleimhäute (und auch für die Kleine mit den großen Blättern). Wenn dann am Wochenende Freund*innen vorbeikommen, holt Helene gern mal ihre Tarotkarten hervor und setzt sich auf ihren Schreibtischstuhl mit Sternenmuster, um für die Gäste das Universum zu befragen. Ich melde mich schon mal jetzt an: Liebe Helene, legst du mir während des 28. open mike bitte bitte die Karten?

Du hast mich erwischt, Juliane. Astrologie ist meine guilty pleasure. Meine Tarotkarten sind leider verlorengegangen, aber wenn du mir Sternzeichen und Aszendent verrätst sage ich dir, was die Sterne für dich bereithalten (Spoiler: In diesem Jahr wohl eher nicht mehr so viel).

Aber man könnte fast meinen, auch du hättest die Sterne über mich ausgefragt. Sogar die Hafermilch in meinem Kaffee hast du richtig erkannt, nicht schlecht!