2019 gewann Carla Cerda beim 27. open mike mit ihren Gedichten »Bambi« einen der Hauptpreise. Ende 2020 erschien nun ihr Lyrikband Loops bei roughbooks. Wir haben ihr ein paar Fragen dazu gestellt.


Wer diese Loops, die uns unter dem Namen *Carla Cerda* erreicht haben, lesen will, muss fundamental die Perspektive wechseln, das Buch anders halten, die aktuelle Seite um 90 Grad drehen, den Kopf neigen oder sich auf ihn stellen. Aber das reicht noch nicht! Denn wir haben es bei den Subjekten »Sor Juana« und »Bambi« offenbar mit Brain-Computer-Interfaces zu tun, die das Buchformat der »roughbooks« geentert haben: »ich befinde mich mit einigen noch unentdeckten Teilchen in einem Labor der ACI Systems Alemania. Die automatische Bilderkennung nennt sie ›Bambi‹, aber das ist offensichtlich falsch.« Um die hier entworfenen Textbilder erkennen zu können, empfiehlt es sich, dieses Buch wieder und wieder zu lesen, rückwärts wie vorwärts. Denn erst bei der wiederholten Lektüre von Carla Cerdas, Sor Juanas, Bambis Messages lässt sich nach und nach begreifen, wie sehr wir alle miteinander verlinkt sind, auch unter den Bedingungen größter sozialer Distanz: »Das Mikrobiom speichert sein eigenes Rauschen in einer Distanz von mir als eine Art Premium-Version meines Metabolismus.« Weist das Wissen darum, dass wir gelesen werden, indem wir lesen, einen Ausweg aus der ewigen Drehung? Kann es am Ende gar die Katastrophe verhindern, dass es immer nur so weitergeht? Kommt auf einen Versuch an. In diesem Sinn: COPY THIS SITE!


Was schoss dir durch den Kopf, als du dein Debüt zum ersten Mal in den Händen gehalten hast?

Ich hab mich einfach sehr gefreut.

Wie lautet der erste Satz deines Debüts?

also haben wir eine Tour gebucht.

Was gefällt dir am besten am Schreiben? Und was findest du am unangenehmsten?

Dass andere meine Texte anders lesen als ich. Das ist immer wieder schön. Und unangenehm. 

Wenn du könntest, welchen Rat würdest du deinem Ich von vor zehn Jahren geben?

Kann dieses Ich bitte mir einen Rat geben?

Bereust du etwas? Was?

Nein. Nichts.

Mit welchem*r Autor*in würdest du gern mal ein Bier trinken gehen?

Roberto Bolaño


Carla Cerda ist Biologin, Dichterin und Übersetzerin aus dem Spanischen, Englischen und Schwedischen. Sie veröffentlichte in verschiedenen Zeitschriften und gewann den Hauptpreis des open mike 2019. Ihr Gedichtband Loops ist Ende 2020 erschienen.