Eva-Maria Dütsch

Eva-Maria Dütsch
Eva-Maria Dütsch (Foto: © privat)

Wann schreibst du am liebsten?
Nachts und unter grossem Druck. Stille, Dunkelheit, hoher Ruhepuls. Das hilft.

Wer liest deine Texte zuerst?
Ich. Dann sehr lange niemand. Dann wieder ich. Und im unwahrscheinlichen Fall, dass sie dann nicht schon im Altpapier gelandet sind, meine Mutter.

Was bedeutet Literatur für dich?
Arbeit.

Was wäre, wenn dir jemand die Möglichkeit zu Schreiben wegnähme?
Dann müsste ich einiges auswendig lernen. Oder ich erzähle mit Farben und Proportionen weiter.
Was würdest du anders machen, wenn du wüsstest, dass dich niemand beurteilt?
Ich bin mir nicht sicher, dass beurteilen, bewerten, auszeichnen und vernichten der beste bzw. einzige Umgang mit jungen Schreibenden ist. Das scheint mir abgekupfert. Für mich ist der Dialog, die Inspiration, die der Austausch birgt, entscheidend.

Dein gegenwärtiger Geisteszustand?
Angespannt. Konzentriert. Inspiriert. Ab und zu besinnungslos vor Unglauben.

Erster Satz deines open-mike-Textes?
Urin und Blütenhonig.

Schon aufgeregt vorm Auftritt? Wie bereitest du dich vor?
Ich versuche, nicht bereits vorher schon an einem Herzinfarkt zu sterben. Damit ich den direkt vor dem Auftritt hoffentlich überlebe. Fingers crossed.

Dein aktueller Buchtipp und warum?
Fabian oder der Gang vor die Hunde von Erich Kästner. Der jahrhundertalte Kampf um Menschlichkeit vor dem Hintergrund endloser Gewalt ins Nach- sowie Vorkriegschaos der 1930er Jahre in Berlin verlegt und ohne Pathos, ohne Angst erzählt.

Schick uns ein Bild von einem Ort oder Gegenstand, der dich zuletzt zum Schreiben animiert hat.

Eva-Maria Dütsch, geboren 1997, nach Abschluss der eidgenössischen Matura, Bachelor- und Master-Studium der Anglistik und Germanistik an der Universität Bern. Mitglied und Mitarbeit bei Lesungen des Schweizer Schreibnetzwerkes femscript. Stilistisch dem Zusammentreffen von Innen- und Außenwelt gewidmet. Eva-Maria Dütsch wurde ausgewählt von Ralph Klever.

**

Kaleb Erdmann

Kaleb Erdmann
Kaleb Erdmann (Foto: © Achim Schmidt)

Wann schreibst du am liebsten?
Ganz am Anfang oder ganz am Ende eines Tages.

Wer liest deine Texte zuerst?
Kommt auf die Textart an.

Was bedeutet Literatur für dich?
Die Welt bearbeiten, offenlegen.

Was wäre, wenn dir jemand die Möglichkeit zu Schreiben wegnähme?
Vielleicht ein Podcast?

Was würdest du anders machen, wenn du wüsstest, dass dich niemand beurteilt?
Weniger Schreiben, mehr faul herumliegen.

Dein gegenwärtiger Geisteszustand?
Stabil.

Erster Satz deines open-mike-Textes?
hoaskeeping hoaskeeping schreit jemand vor der verdammten tür hoaskeeping

Schon aufgeregt vorm Auftritt? Wie bereitest du dich vor?
Es geht. Alles mehrmals durchgehen, mehrmals die Zeit stoppen.

Dein aktueller Buchtipp und warum?
Tarjei Vesaas – Die Vögel / Sowas habe ich noch nie gelesen.

Schick uns ein Bild von einem Ort oder Gegenstand, der dich zuletzt zum Schreiben animiert hat.

Kaleb Erdmann, geboren 1991 in Witten an der Ruhr, aufgewachsen in Bayreuth, Erfurt und München, arbeitet als freier Autor, Dramatiker und Bühnenpoet. Momentan besucht er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig den Studiengang Literarisches Schreiben. Er veröffentlichte zahlreiche Kurztexte, z.B. in der u.a. von Saša Stanišić herausgegebenen Textsammlung Herz & Rasen des deutschen Fußball-Museums Dortmund, der Literaturzeitschrift Akzente des Hanser-Verlags, zahlreichen Spoken-Word-Anthologien sowie der Zeitschrift des Literaturinstituts Tippgemeinschaft. Im Jahr 2020 wurde er mit seinem Theaterstück Unten für den Retzhofer Dramapreis nominiert. Kaleb Erdmann wurde ausgewählt von Mona Leitner.