Von Beginn an sind wir mitten im Geschehen der Geschichte. Es ist eine Geschichte der Rückkehr in den Heimatort. Das Großartige an diesem Text sind die Bilder, die Astrid Gläsel entwirft, und ein rätselhaftes »Du«, das Fliegen durchgehend begleitet.

»Ankommen«, »Fallen«, »Fliegen«. Die Aufteilung des Textes scheint wie eine Steigerung der Geschichte. Und genau das leistet Fliegen. Von Anfang bis Ende ist die kurze Erzählung emotional und tiefgründig. Astrid Gläsel schafft es, eine*n zu fesseln. Das Zwischenmenschliche und die Gefühle zu- und miteinander werden gekonnt eingefangen. Das mag wohl auch daran liegen, dass Leser*innen des Textes und Zuhörende sich durch das »Du« von der ersten Sekunde an angesprochen fühlen und vom Vortrag der Autorin sofort mit in die Geschichte gezogen werden.

Du lachst und breitest die Arme aus, damit er hineinfliegen kann, und das ist das Erste, was mich hier oben erstaunt. Dieses Bild wilder Lebensfreude passt eigentlich nicht zu dir.

Bei Astrid Gläsels Text sind wir auf einmal eben nicht mehr nur Beobachtende des Geschehens. Auf der einen Seite das bereits genannte »Du«, das eine extreme Intimität und Nähe aufbaut, auf der anderen Seite sind es die intensiven Bilder, die über längere Sätze hinweg entworfen und erzeugt werden. Es sind Bilder, die nachklingen. Eindringliche Bilder, die noch länger als nur heute Abend noch im Kopf bleiben werden:

Auch heute noch verläuft die Zeit in meiner Vorstellung nach außen, zerfließt in kleinen Rinnsalen am Rand, die irgendwann wieder zusammenfinden, vereinigt sich mit anderen Zeitkreisen, die auch nach außen fließen und andere Geschichten und Farben in sich tragen.

Auch beim Vortragen wird Astrid Gläsel ihrem Text gerecht. Ruhig und intensiv liest und erzählt sie die dreiteilige Geschichte. Das Nahe, das Zwischenmenschliche von Fliegen geht dabei nicht verloren. Und weiter stellt sich die Frage: Wer ist dieses »Du«?