Ein junger Mann, der durch die Stadt eilt, sein Handy in der Hand mit der Nachricht, seine Freundin sei schwanger. Kaleb Erdmanns Text ist dynamisch, modern und schnell. Nicht nur der Protagonist, auch der Text, auch der Autor eilt durch seine Sätze.

Allein beim Betrachten des Textes fällt auf, dass Kaleb Erdmann in seinem Text komplett auf Satzzeichen verzichtet. Prosa mit einem modernen Lyriktouch. Gleichzeitig ist alles klein geschrieben. Dies erinnert sofort an moderne, kurze Textnachrichten, die schnell ins Handy getippt werden. Der Effekt ist, dass wir als Leser*innen dem Protagonisten und seinem Train of Thought folgen. Es ist eine sofortige Nähe vorhanden, alles wird von der Erzählstimme offengelegt. Wir folgen seinen Gedanken, seinen Namensüberlegungen für das Kind, das seine schwangere Frau bekommen wird, seiner Eile letztendlich, bevor er am Ende als Moderator zum ESC gelangt. Alles, jeder noch so kleine Gedanke wird an die Leser*innen weitergegeben. Nur die Kindernamen, die immer wieder beim jungen Mann aufkommen, strukturieren den Text.

kuno bruno juno denke ich

Ohne Titel (graz text) ist einer der Texte, die ihre komplette Wirkung erst entfalten, wenn der Autor auf der Bühne sitzt und seinem Protagonisten eine Stimme gibt. Kaleb Erdmann eilt durch die Zeilen, wie sein Protagonist selbst eilig unterwegs ist, und zaubert beim Lesen eine unfassbare Dynamik in seinen Text: Durch lauteres, energischeres Sprechen, durch den Geschwindigkeitswechsel von schnell zu langsam und wieder von langsam zu schnell schafft Kaleb Erdmann einen besonderen und wunderbaren Vortrag, dem wir als Zuhörer*innen ewig lauschen könnten.

ich hab wirklich alles gegeben um in der bürgerlichen Existenz anzukommen wirklich alles mit österreichischen startuppern gesoffen mit deutschen startuppern gesoffen mit schweizer startuppern gesoffen

Ein beeindruckender Vortrag, welcher der österreichischen Politiksatire Ohne Titel (graz text) DAS Sahnehäubchen aufsetzt!