21 Texte haben sie aus über 500 Einsendungen ausgewählt und mit den Autor*innen dann noch an den Texten gefeilt. In diesem Jahr waren Annika Spiegel, Mona Leitner, Piero Salabè, Ralph Klever, Meike Herrmann und Hannes Ulbrich dabei. Hier kommen die kurzen Impulse, bevor es dann danach mit den Preisen ernst wird.

Meike Herrmann:

Liebe Autorinnen und Autoren,
wenn wir euch hier in aller Kürze etwas mitgeben können, dann das: Nehmt euch Zeit. Heute ist nicht der Tag, an dem über euch entschieden wird. Wenn Verlage oder Agenturen heute oder in den nächsten Tagen auf euch zukommen, dann freut euch darüber. Aber ihr dürft euch gewiss sein, dass sie auch in ein paar Monaten noch Interesse haben werden. Nehmt euch eure Zeit, um an den Texten zu arbeiten. Heute ist ein Anfang, aber ganz bestimmt kein Ende.

Annika Spiegel:

Da möchte ich gern anfügen: Ich habe das Gefühl, dass manche überlegen, wie sie Autor*in werden können. Ihr seid alle Autor*innen! Jeder, der schreibt, ist Autor. Ihr seid beim open mike genommen worden, das ist eine riesige Auszeichnung und euer Text wurde publiziert in dieser wunderbaren Anthologie. Ich möchte nochmal das Wort des Freitags zitieren: Ich hoffe, das »Professionalitätstheater« schreckt euch nicht ab, und ihr geht mutig damit um.

Ralph Klever:

Die Dichter dichten weiter, die Lektoren lektorieren weiter, die Drucker drucken weiter und die Verleger verlegen weiterhin. So viel steht fest. Für mich war es sehr anregend und spannend, diese Zeit hier verbringen zu dürfen. Ich will Ihnen jetzt auf keinen Fall nahelegen, keine Texte an Verlage zu schicken. Weil es ist unser Privileg, Texte lesen zu dürfen. Es ist halt vielfach so: Wenn jetzt ein Gesellschaftsroman irgendwo in Görlitz oder Flensburg spielt, dann ist er bei einem kleinen Verlag in Wien eher nicht so gut aufgehoben. Ansonsten bin ich wirklich neugierig, und es war eine tolle Zeit. Heute und gestern. Ich gebe noch ein Schlusswort mit von Ilse Aichinger: »Bleiben Sie misstrauisch.«

Piero Salabè:

Ich freue mich heute auch sehr, dabei gewesen zu sein. Ganz besonders die Stimmen gehört zu haben. Die Stimmen zu hören. Den Klang der Stimme. Die Schönheit, die Literatur ausmacht. Dieses Gefühl, da zu sein – zusammen. Das hat man, glaube ich, in diesen Tagen gespürt. Poesie – da ist immer die Frage: Was ist das? Es gibt ein Glaubensbekenntnis, das man hier zum Ausdruck bringen könnte. Erstes Glaubensbekenntnis: Bitte glaubt weiterhin an die unendlichen Möglichkeiten, die Sprache hat. Glaubt an Adjektive, glaubt an Satzkonstruktionen, glaubt an einzelne Silben. Erstes Glaubensbekenntnis. Zweites Glaubensbekenntnis: Glaubt an den Papierkorb. Der Papierkorb ist ein unglaublich wichtiges Mittel beim Schreiben. Der Papierkorb nimmt alles auf, was eben nicht mehr bleiben sollte. Drittes Glaubensbekenntnis: Glaubt ganz, ganz, ganz stark an die Vergangenheit. Das ist hier der Wettbewerb für junge Literatur, aber die Vergangenheit ist das, was den Resonanzraum von Literatur ausmacht.