Felix Reinhuber

Felix Reinhuber
Felix Reinhuber © Kyoko Kasuya

Wie kamst du darauf, dich beim 30. open mike zu bewerben? 

Ich habe mich erneut beworben, weil ich bereits Teilnehmer beim 28. open mike war, der ja aber leider wegen Corona nur online stattfinden konnte. So wollte ich sehr gerne nochmal einen open mike unter Normalbedingungen mitmachen.

Erster Vers deines open-mike-Textes? 

flaggen, wolken, taubenheller kies, offenes zell-

Wann und wo schreibst du am liebsten? 

Am liebsten schreibe ich am Morgen an wechselnden Orten: teils in den ganz verschiedenen Bibliotheken von Paris (z.B. in der sehr alten Bibliothèque Mazarin oder der ziemlich neuen, teils futuristischen Nationalbibliothek BnF Francois Mitterand), oft zuhause und manchmal in Parks und Cafés.

Und was läuft dazu im Hintergrund? 

Im Hintergrund hab ich es dabei am liebsten so still wie möglich. 

Wer liest deine Texte zuerst? 

Meine Texte lesen zuerst drei, vier Freunde, die ebenfalls schreiben oder sich für Literatur interessieren. 

Was bedeutet Literatur für dich? 

Literatur bedeutet für mich den täglichen Versuch, Welt und Sprache noch einmal neu wahrzunehmen bzw. sie im Text neu zu konstruieren und mit meiner eigenen Psyche und Gedankenwelt anzureichern. 

Schon aufgeregt vorm Auftritt? Wie bereitest du dich vor? 

Aufgeregt bin ich noch nicht, aber gespannt, wie meine zweite open mike-Erfahrung sich von der ersten unterscheiden wird. 

Worauf freust du dich am meisten, wenn du an das Wettbewerbswochenende denkst? 

Ich freue mich schlicht auf einen open mike in Präsenz, ohne große Corona-Einschränkungen und mit echten persönlichen Begegnungen. 

Dein aktueller Buchtipp und warum? 

Mein aktueller Buchtipp: Birgit Kreipes aktueller Gedichtband Aire. Besonders gut gefällt mir das Prozesshafte von vielen dieser Gedichte. Man hat das Gefühl, einer stets dynamischen Psyche beim Entwerfen eines dynamisch-schwebenden Stils in neue Räume zu folgen. Exemplarisch diese Zeilen aus Kreipes Zyklus »notes on air«:  »ein nukleus sendet, empfängt. / waches rotes organ, das strömungen aufnimmt, ausbalanciert // latenzen«. Etwas ganz Ähnliches ist auch mein Ideal im Schreiben von Gedichten – so habe ich Kreipes Band oft wie den einer Seelenverwandten gelesen, nicht zuletzt auch wegen ihres offenkundigen Interesses an visueller Kunst. 

Schick uns ein Bild von einem Ort oder Gegenstand, der dich zuletzt zum Schreiben animiert hat. 

Der Ort, der mich zuletzt zum Schreiben inspiriert hat: die Île Saint-Louis, auf der sich in besonders konzentrierter Weise vor allem der (ererbte) Reichtum in Paris ablesen lässt – an den herrschaftlichen Häusern und Stadtpalästen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert – und gleichzeitig auch die Armut und Härte der französischen Hauptstadt: an den Zelten unter den ehemaligen Königsbrücken, an den Obdachlosen, die morgens auf den Steinbänken im Schatten der Uferkais und herrschaftlichen Fassaden liegen. Ein Ort also, an dem zwei extreme Seiten von Paris auf fast schon plakativ symbolische Weise vereint sind. 

Felix Reinhuber, geboren 1990 in Herrenberg. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Anglistik und Germanistik in Berlin, Freiburg und Durham. 2020 Finalist für Lyrik beim 28. open mike. Anfang 2022 Atelier-Mondial-Stipendiat an der Cité Internationale des Arts. Lebt, arbeitet und schreibt in Paris. Momentan am Centre Pompidou und an der Universität UPEC – sonst an der Recherche für einen Roman über Rilkes Anfangszeit in Paris und am Manuskript für einen ersten Gedichtband mit dem Arbeitstitel schatten-impulse. Felix Reinhuber wurde ausgewählt von Hans Jürgen Balmes.

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Arne Röver

Arne Röver
Arne Röver © Maria Röver

Wie kamst du darauf, dich beim 30. open mike zu bewerben?

Eigentlich schreibe ich eher längere Texte, aber bei der eingereichten Erzählung hatte ich das Gefühl, dass sie gut zum Format der Veranstaltung passen könnte.

Erster Satz deines open-mike-Textes?

Wir sitzen da also in Marius’ neuem BMW, der nicht neu, sondern ein Jahreswagen ist, und von dem ich nur sagen kann, dass er blau ist, metallic, und ein bisschen nach Zigaretten riecht, obwohl Marius nicht raucht, soweit ich weiß.

Wann und wo schreibst du am liebsten?

Morgens. Im Idealfall noch bevor die Sonne aufgeht, aber das gelingt mir nur selten. Zuhause am Schreibtisch.

Und was läuft dazu im Hintergrund?

Nichts.

Wer liest deine Texte zuerst?

Freund*innen, die selbst schreiben.

Was bedeutet Literatur für dich?

Auf der Satzebene: Rhythmus. Ansonsten: eine kontinuierliche Reflexion über die Welt, unseren Platz darin, und wie wir zueinander stehen.

Schon aufgeregt vorm Auftritt? Wie bereitest du dich vor?

Ich bin sehr geübt darin, mich frühzeitig verrückt zu machen. Daher versuche ich gerade noch, mich auf andere Dinge zu konzentrieren.

Worauf freust du dich am meisten, wenn du an das Wettbewerbswochenende denkst?

Natürlich freue ich mich auf die Texte. Aber das eigentlich Schöne an so einer Veranstaltung ist ja, dass man dort auch die Menschen treffen kann, die diese Texte geschrieben haben, die sie ausgewählt haben, usw. Darauf freue ich mich. Und dass da Menschen sein werden, die mir wichtig sind und die mich begleiten. Und wenn es am Samstag wieder eine Party gibt, dann freue ich mich auch auf die.

Dein aktueller Buchtipp und warum?

Play It As It Lays von Joan Didion. Wegen des Stils: kühl, elegant und gnadenlos präzise.

Schick uns ein Bild von einem Ort oder Gegenstand, der dich zuletzt zum Schreiben animiert hat.

Arne Röver, geboren 1989 in Schleswig-Holstein. Nach einem Studium der Wirtschaftsinformatik in Hamburg und Elmshorn studiert er seit Oktober 2019 Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften u.a. Akzente und Das Narr. Arne Röver wurde ausgewählt von Jacob Teich.