Martin Baumeister lässt den Blick der Zuhörenden wie durch einen Guckkasten in die Küche fallen: eine fast schon apokalyptische Szenerie aus dreckigem Geschirr und Essensresten, das Lebendige vom Abend zuvor ist maximal noch als Pheromonspur anwesend. In diesem sorgsam umgrenzten Areal beginnt nun ein Spülvorgang, in dem die Objekte selbst oft die Protagonisten sind. Dabei spielt Martin Baumeister mit der Perspektive der Zuhörenden, lässt diese mal klaustrophobisch nah an einzelne Objekte oder den Körper heranrücken, dann wieder auf die Szene als Ganzes schwenken.

besteck taucht ab in
laugenhelles becken
ein aufatmen unter
begränztem himmel

Es sind die Gegenstände selbst, die hier ein bizarres Eigenleben zwischen Gestern und Morgen führen. Und doch sind da auch zwei Personen anwesend, er und sie, die, vage angedeutet, um den Schauplatz Spülbecken und umeinander herumtänzeln. Ihre Bewegungen erscheinen dabei fragmentarisch; ein letzter Versuch, der Vergangenheit zum Trotz noch eine Berührung herzustellen.

schnell legt ihre hand
ein letztes messer auf
die saubere seite.
als wolle sie etwas
vergessen machen

Aus Martin Baumeisters Lyrik spricht eine radikale Zuwendung zur Sprache selbst. Als Leser:in gleitet man an Wortenden ab, stürzt durch Falltüren in die nächste Zeile, wird vom Rhythmus fortgeschwemmt, nur um wenig später wieder an einem mitten im Wort gesetzten Doppelpunkt anzubranden. In der Lesung selbst entfalten die Gedichte dagegen einen meditativen Fluss, wenn Martin Baumeister sie mit ruhiger, fast schon behutsamer Stimme vorträgt. An einigen Stellen bergen die Texte sicherlich noch mehr performatives Potenzial, jedoch fügt sich der Tonus in die anfängliche Regungslosigkeit der Küche ein.

Es ist beeindruckend, wie es Martin Baumeister gelingt, die in den Text subtil angelegten Thematiken mit einem experimentellen, an Material und Prozess orientierten Schreibgestus zu verknüpfen. Am Ende steht man als Leser:in wieder in dieser Küche, alles ist sauber, ein Teller rutscht zu Boden. So leicht scheint sich Vergangenes nicht wegspülen zu lassen.

spüle, arbeitsplatte,
mülleimer, radio. und
ein teller rutscht vom abtropf
gitter.