Wieder fällt uns auf, dass fast alle Teilnehmenden Akademiker:innen sind und dass überwiegend weiße Perspektiven von weißen Personen abgebildet werden.

Wir diskutieren und verlieren uns in Streitfragen wie: Was für ein Mittel ist Literatur? Wie viel Einfluss hat Literatur, welche Perspektiven werden ein- und welche ausgeschlossen? Welche Ursprünge könnte das haben? Und wie politisch muss Literatur in unserer Zeit sein?

Ja, es ist klar, dass wir das ganze im großen Zusammenhang der Geschichte sehen müssen. Dass vor allem jahrhundertelange Diskriminierung und struktureller Ausschluss von nicht-weißen Menschen ein tiefgreifendes gesellschaftliches Problem ist, das natürlich auch keinen Halt vor der Literaturbranche und seinen Schriftsteller:innen macht. Diese Unterdrückung ist bis heute nicht überwunden und zieht sich auch weiterhin durch alle Bereiche der Branche.

Beim open mike werden die Texte vor der Weitergabe an die Vorjury anonymisiert, das ist ein erster Schritt in Richtung möglicher Diversity. Ein weiterer wäre es, auch die Jurys noch diverser und multiperspektivisch zu besetzen. Nur greift hier wiederum die oben beschriebene Misere – die gesamte Literaturbranche ist leider, obwohl wir das Jahr 2022 schreiben, immer noch nicht divers genug. Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt.

Trotzdem ist es notwendig, immer wieder darüber zu diskutieren, was sich ändern lassen kann und was wir selbst als Teil einer begleitenden, ebenfalls durchweg weißen Blog-Redaktion ändern können, um auch auf Literaturveranstaltungen solche Problematiken sichtbar zu machen. Fest steht: Wir brauchen unterschiedliche, queere, nicht-weiße und marginalisierte Stimmen in der Literatur(-branche), die für eine vielfältigere Gesellschaft notwendig sind und für diese kämpfen.