Es ist das erste Mal, dass Pauline Meurer einen ihrer Texte auf der Bühne liest. Eine Aufregung ist ihr aber in keiner Weise anzumerken.

Sehenswertes beginnt mit starken, mit vielversprechenden Sätzen, mit Bildern, denen man als Zuhörende:r gern weiter folgen möchte:

Ich reiße Gras ab, schwerer, als man denkt. Ich strecke meine Hand mit Gras durch den Zaun, werde kurz nervös, fühle mich wie ein Kleinkind, die Hand soll man ganz flach machen. Ziegen sehen ein bisschen aus wie alte Herren. Ich würde gerne bei den Ziegen bleiben.

Die Protagonistin, eine Medizinstudentin, berichtet in kleinen Ausschnitten über ihre Erfahrungen mit Alten und Kranken in einer Klinik. Es wird vom Blutabnehmen, von Gesprächen mit Ärzten berichtet. Es wird von Patient:in zu Patient:in vorerst durch den Text gesprungen. Dazwischen werden ab und an lyrisch anmutende Textstellen eingebaut, die sprachlich einen großen Kontrast bilden zum Rest. Im späteren Verlauf der Erzählung wird die persönliche Geschichte der Protagonistin beleuchtet. Es geht um Großväter und Großmütter, um das Ergründen der Lebensstränge ihrer Vorfahren oder doch eher um ältere Menschen allgemein?

Unsere Großväter haben viele Biografien gelesen.
Unsere Großmütter haben die falschen Männer geheiratet.

Pauline Meurer springt viel: zwischen Stilen, zwischen verschiedenen Handlungen und Themen. Das wird dem Text zum Verhängnis – als Zuhörende verliert man durch diese Sprünge ein Stück weit die Nähe zur Protagonistin, die anfangs so stark aufgebaut wurde. Dabei sind die einzelnen Teile von Sehenswertes sehr vielversprechend. Besonders die sprachlich kunstvoll ausgearbeiteten Sätze können in den Bann ziehen, machen Lust, mehr davon zu lesen und zu hören. Doch es verschwimmen Stil, Sprache und Handlung so sehr, dass der Text an den Sprüngen, die ihn vielleicht ausmachen sollen, mehr verliert als gewinnt. So bleiben Zuhörende etwas ratlos, mit mehreren Textschnipsel und Ansätzen zurück, die einzeln stark sind und prägnante Themen sichtbar machen, sich aber nur schwer verbinden lassen.