Katrin Pitz trat 2019 mit ihrem Prosatext »Antworten zu geben« beim 27. open mike an. In diesem Jahr erschien ihr Debüt, der Gedichtband auch solche tage waren immer schon da, im Elif Verlag. Wir haben Katrin ein paar Fragen dazu gestellt.


Katrin Pitz: auch solche tage waren immer schon da

Vorschautext
»wir wundern uns wund an einem wort« ― Von Worten zum Wundwundern und solchen, die man verliert oder vergeblich sucht ― davon sprechen die Gedichte von Katrin Pitz. Es sind Gedichte, die wahrnehmen, was unter Oberflächen verborgen liegt und erst noch zu entdecken ist, Gedichte, denen das Selbstverständliche fremd ist, wird und bisweilen auch bleibt. Sie sprechen von Kindheitswundern und Kindheitswunden, von Struktur und Zerfall in der Natur und der Sprache. Katrin Pitz’ Gedichte kennen Schmerz und auch die Schönheit des Schweigens und der Stille, sie nehmen das Einmalige in den Blick und legen Erinnerungen frei, wissend, dass ungewiss bleibt, ob dem Wahrgenommenen zu trauen ist. Sie lassen die Worte zittern und misstrauen sanft, aber bestimmt jeglichem Anspruch auf Inbesitznahme, Überlegenheit oder Geschlossenheit: »ein hochsitz dachtest du dir / den aus oder gibt es ihn wirklich / seit wann ist er dir eigen« heißt es in einem der Gedichte, und in einem anderen: »vollständigkeit und andere ansprüche / habe ich nie erhoben / nur eine liste mit fragen / verwahrt im baumhausarchiv«. Beate Tröger


Was schoss dir durch den Kopf, als du dein Debüt zum ersten Mal in den Händen gehalten hast?

Puh, zum Glück hat uns der Papiermangel nicht erwischt und die Bücher sind wirklich da. Sogar ein paar Tage früher als erwartet. Außerdem war ich froh, dass mir das Cover auch in echt gefallen hat. Bis dahin kannte ich ja nur eine PDF-Datei davon. 

Beschreibe dein Debüt in drei kurzen Sätzen.

Ich tue mich immer schwer damit, meine Texte zusammenzufassen. Mir wurde einmal bei einer Lesung aus auch solche tage waren immer schon da gesagt, dass sehr viele Hände und Kinder darin vorkommen. Ich glaube, das ist wahr. 

Wie ist die Idee zu deinem ersten Buch entstanden?

In den vergangenen Jahren hat es sich so ergeben, dass ich Gedichte häufig in Zyklen schreibe. Zehn, elf, zwölf Texte, die um ähnliche Themen oder Bilder kreisen. Irgendwann kam dann der Gedanke, diese einzelnen Zyklen auch zu etwas Größerem zusammenzufügen und ich habe mit verschiedenen Anordnungen herumexperimentiert. Und dann war der Wunsch, dieses Manuskript in Form eines Buchs zu veröffentlichen, auch nicht mehr weit. 

Wie nimmst du rückblickend die Zeit zwischen deiner Teilnahme am open mike und der Veröffentlichung deines Debüts wahr?

Wenn ich ehrlich bin, gar nicht so anders als die Zeit vor dem open mike. Ich habe einfach weiter geschrieben und weiter überlegt, wo ein guter Ort für meine Texte sein könnte.

Was gefällt dir am besten am Schreiben? Und was findest du am unangenehmsten?

Es getan zu haben. Es gerade zu tun.

Welche anderen Künstler*innen prägen dein Schreiben?

Meist sind es schreibende Künstler*innen, die mich im Schreiben beeinflussen. Wobei ich die Grenze zwischen dem, was ich rein aus Vergnügen lese und manchmal gerade dafür mag, dass es mir fremd ist, und dem, woraus tatsächlich etwas in mein eigenes Schreiben überschwappt, schwierig zu ziehen finde. Auf jeden Fall bin ich in letzter Zeit den Norweger*innen verfallen. Tor Ulven, Merethe Lindstrøm, Bård Torgersen und Fredrik Hagen sind einige Autor*innen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie mir etwas zu sagen haben und von denen ich mir gerne etwas sagen lassen will.

Welche Songs würde man auf dem Soundtrack zu deinem Debüt finden?

Wenn ich schreibe, höre ich eigentlich nie Musik. Deshalb kommen mir nicht sofort Songs in den Sinn, die ich mit den Gedichten im Buch in Zusammenhang bringen würde. Aber vielleicht wäre etwas von Julien Baker passend für einen Soundtrack. Ich mag ihre Songtexte dafür, dass sie etwas Abgründiges und gleichzeitig Tröstliches haben, etwas Entblößendes und gleichzeitig Vielschichtiges. Wenn meine Texte davon auch ein bisschen was haben, bin ich schon zufrieden. 


Katrin Pitz, geboren 1989 in Marburg, lebt in Darmstadt. Studium des Maschinenbaus an der TU Darmstadt und anschließend verschiedene Tätigkeiten als Ingenieurin. Schreibt Lyrik und Prosa und übersetzt aus dem Spanischen. 2015 Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses. 2019 Finalistin des 27. open mike. 2021 Leonce-und-Lena-Preisträgerin. Ihr Debüt auch solche tage waren immer schon da ist 2022 im Elif Verlag erschienen.