Simoné Goldschmidt-Lechner

Simoné Goldschmidt-Lechner (Foto: © privat)

Simoné Goldschmidt-Lechner, aufgewachsen in Südafrika und Süddeutschland, ist queere Woman of Colour und studierte Linguistin. Schreibt seit 2018 literarisch auf Deutsch und Englisch, war Teil der künstlerischen Leitung für PROSANOVA 2020 und ist Mitherausgeberin der BELLA triste seit März 2019. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien.

Wann schreibst du am liebsten?
Nachts, während im Hintergrund Serien oder Internetvideos laufen.

Wer liest deine Texte zuerst?
Es gibt nur eine Person, die alle meine Texte liest, aber nicht immer als erstes.

Was bedeutet Literatur für dich?
Die Möglichkeit, sich auszudrücken. Verbindungen, Empowerment durch das Schreiben für andere, durch das Lesen der Texte anderer Personen, und durch das Schreiben im Kollektiv. Die Möglichkeit, Menschen zu erreichen. Und für immer die fünf Frauen, mit denen ich dieses Jahr so intensiv zusammengearbeitet habe.

Was wäre, wenn dir jemand die Möglichkeit zu Schreiben wegnähme?
Dann würde ich Geschichten sprechen.

Was würdest du anders machen, wenn du wüsstest, dass dich niemand beurteilt?
Bezogen auf den Rest des Lebens: Wahrscheinlich nicht viel, Urteile muss mensch ja für sich nicht annehmen. Und konstruktive Kritik, I love it. Aber ich würde wahrscheinlich weniger Zeit mit magischem Denken verbringen. Bezogen aufs Schreiben: Ich ändere das, was ich sagen will, nicht für ein Publikum, das ich beim Schreiben nicht im Kopf habe (freue mich aber, wenn die Geschichten über dieses Publikum hinaus Menschen erreichen können).

Dein gegenwärtiger Geisteszustand?
Anxious. Und ich hätte den Bagel nicht essen sollen.

Erster Satz deines open-mike-Textes?
Die Mutter wird gegenüber der Wiese erfunden, auf der rote Margeriten blühen, fällt dort ab als Mineralansammlung von großen, imposanten Felsen, landet weich und formt sich neu.

Schon aufgeregt vorm Auftritt? Wie bereitest du dich vor?
JA! Ich bin nie so nervös, wie dann, wenn ich literarische Texte vorlese, auch dann nicht, wenn ich zum Beispiel frei vortrage.
Zur Vorbereitung lese ich den Text ein paar Mal laut vor, und dann klingt er doch am Schluss ganz anders. Vielleicht übe ich lieber Treppen steigen.

Dein aktueller Buchtipp und warum?
How to be an Antiracist
von Ibram X. Kendi. Für alle wichtig, für BIPOC und für weiße Personen. Ansonsten gerade immer noch 1000 Serpentinen Angst von Olivia Wenzel. Sehr relatable. Und Vater Unser von Angela Lehner. Das Buch, das ich gerne geschrieben hätte, und der beste Schmäh. Die Sommer von Ronya Othmann (der Grund, warum ich den Titel meines Romanprojektes ändern muss). Özlem Özgül Dündars Texte und Gedichtbände (einfach alle). Cemile Sahins Alle Hunde sterben und auch Taxi. Von Reyhan Şahin Yalla Feminismus!, denn über die Fuckademia hat noch nie eine Person so treffend geschrieben. Und auf jeden Fall und unbedingt von Koleka Putuma den Gedichtband Collective Amnesia (Kollektive Amnesie). Wenn es eine Wahrheit geben sollte, dann diese. Gibt es jetzt auch als Hörbuch, 10/10, would recommend. An Graphic Novels und Experimentellem Belonging/Heimat von Nora Krug. (Es muss mehr als ein Buchtipp sein, weil ich nicht nur eine Sichtweise hervorheben kann.)

Schick uns ein Bild von deinem Lieblingsarbeitsplatz und schreibe etwas dazu.
Ich arbeite eigentlich immer im Bett. Das zu fotografieren, ist vielleicht etwas zu privat. Deswegen hier eine naturgetreue Skizze:

Ich mach mir so gern die Haltung kaputt.

Simoné Goldschmidt-Lechner wurde ausgewählt von Florian Welling.

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Dominik Haitz

Dominik Haitz (Foto: © Mareike Baudewig)

Dominik Haitz, geboren 1985, studierte Physik und Germanistik in Stockholm und Karlsruhe. 2016 promovierte er in Teilchenphysik. Seit einigen Jahren schreibt er Prosatexte, die er bereits bei verschiedenen Veranstaltungen gelesen und mit denen er erfolgreich an literarischen Wettbewerben teilgenommen hat. Er ist Mitglied der Autorengruppe beschriftet und im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen. Dominik Haitz lebt in Hamburg und arbeitet aktuell an seinem zweiten Romanprojekt Der Wal in den Wolken.

Wann schreibst du am liebsten?
Wann immer ich ausreichend Zeit und innere Ruhe finde. Gern samstags.

Wer liest deine Texte zuerst?
Mein Lieblingsmensch und andere Mitschreiber

Was bedeutet Literatur für dich?
Schreibend erschaffen, lesend erleben

Was wäre, wenn dir jemand die Möglichkeit zu Schreiben wegnähme?
Gedankenstau im Kopf

Was würdest du anders machen, wenn du wüsstest, dass dich niemand beurteilt?
Öfter einfach mal stehen lassen

Dein gegenwärtiger Geisteszustand?
Puh …

Erster Satz deines open-mike-Textes?
Wird nicht verraten!

Schon aufgeregt vorm Auftritt? Wie bereitest du dich vor?
Den Text ausdrucken, kleingefaltet einstecken und alle paar Minuten meine Taschen abtasten, ob er noch da ist.

Dein aktueller Buchtipp und warum?
Demian Lienhards Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat, weil Albas Sprache den Leser so elegant wie gleichgültig mit in den Abgrund rutschen lässt

Schick uns ein Bild von deinem Lieblingsarbeitsplatz und schreibe etwas dazu.
Im Bild die Grundausstattung, damit geht‘s ins Café oder in eine Bibliothek

Dominik Haitz wurde ausgewählt von Katrin Kroll.