Kristin Höllers unverblümter Text Im Imbiss, im Mai ist, wie Rainer Götz in seiner Einführung sagt „auf die angenehmste Art frei von Aktualität und zeitgenössischen Trends“: Ein männlicher Erzähler erzählt von Isi, einer Frau, die ferner von Klischees nicht sein könnte. Liebestrunken kann er nicht anders, als sie zu studieren, zu beobachten und anzuhimmeln: Niemand isst so schön Mett wie die pummelige Isi und niemand hat so schöne, sehnige Füße. Man leidet mit diesem verliebten und ehrlichen Erzähler, denn insgeheim sieht er sich als chancenlos – denn Isi, die kennt jeder und Isi, die ist wer und bekommt Pfeffi aufs Haus, weil sie mit dem Barkeeper geschlafen hat. Höllers Text ist ein politisches Statement und ein kleiner Lobgesang auf die starke Frau. Ebenso erfrischend ist das Dresdener Setting.

Und seit es wieder warm ist, sitzen wir auf ihrem Balkon und essen Aufbackbrezlen mit Mett, nachdem wir gevögelt haben. Manchmal formt sie dann in ihrem Mund kleine nasse Mettbällchen und spuckt sie auf Fußgänger.

Aber was passiert nun eigentlich? Dem weichen Erzähler wird zunächst einmal die Lieblingswildlederjacke gestohlen, im Oktober. Und jetzt, im Mai, bei einem Treffen mit Isi beim Lieblingsimbiss, ist da dieser Typ, der sie ganz frech und selbstverständlich trägt. Zu schüchtern, um den Lederjackenträger zu konfrontieren, der sich auch noch einen 10-Euro-Döner-Teller gönnt, vertraut der arme Junge seine Beobachtung Isi an – die ihn gerade heraus zur Rede stellt. Dann geht alles ganz schnell und der Imbiss verwandelt sich in den Schauplatz einer Mini-Massenschlägerei.

Der Besitzer schreit und gibt ihr eine Ohrfeige und dann steht ein Typ im Polohemd auf und will dazwischengehen wie ein Held und sagt, aufhören, man schlägt keine Frauen, und dann wird Isi richtig wild, weil sie ist Feministin, auch.

Isi lässt sich sogar zurück schlagen, von wegen Gleichberechtigung und so. Und ja, als der Tag dann damit endet, dass Isi mit blutender Lippe zum Polizeiwagen abgeführt wird, da liebt unser Erzähler seine Isi gleich noch mehr. Und das Publikum im Heimathafen, so glaube ich, liebt sie auch.

 

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