Es ist nicht so, dass ich bewusst unglücklich wäre.(…) Es ist eher so, dass ich glaube, dem Glücklichsein verpflichtet zu sein, weil ich eben nicht krank bin, weil ich eben einfach mal so durch die Stadt schlendern könnte, wenn ich denn wollte, und keine Bordsteinkante hielte mich auf und keine flüchtige Bekanntschaft erkundigte sich bestürzt nach meinem Wohlempfinden. Es ist dieses mitgedachte unbedingte Müssen, das mich lähmt, an die Decke starren lässt und gleichgültig macht. Das ich durch ein nicht infrage gestelltes Werden zu ersetzen versuche.

Hier spricht die Desillusion in einer wahrlich schönen Sprache. Sie spricht lange Sätze, weiß aber an den richtigen Stellen die Kurve zu kriegen und mit schwerer wiegenden Momenten zu brechen. Anvar Cukoski nennt es Selbstironie, wenn Thilo Dierkes die Rolle des jungen Autors als verlotterten, besoffenen von der Welt betroffenen Künstler darstellt, der ein Gedicht ersinnt, sich anschließend erbricht und „am Arsch kratzt“.

Die Rede ist außerdem von einem „breitschultrigen Text“ (Cukowski), denn hier gibt es nicht bloß diesen jungen Autor – jenen auf der Bühne mit der lieben Stimme und jenen im Text, der in altertümlicher Sprache das Gefühl einer widerstandslosen Generation ausdrückt – es gibt auch noch Joséphine, die der Autor in seine Gedanken einbindet, anspricht und auf diese Weise, wie nebenbei, auf die Ungerechtigkeit gesellschaftlicher Geschlechterrollen hinweist.

Du bist eine Frau und ich bin ein Mann. Es ist beschlossen worden, dass das eine Bedeutung hat, und man hat sich daran gewöhnt. Genau das ist das Schlimme, Verräterische.

Es steckt viel Wahres in diesem Text und deswegen freut es mich umso mehr, dass er mich zum Lachen bringt. Und yeah, auch das Publikum ist auf meiner Seite. Es wird sogar richtig gelacht. In seinem zügigen Vortragsrhythmus durch die Publikumsreaktionen bestärkt, versammelt Thilo Dierkes am Ende dann aber noch einmal allen Ernst in seiner Stimme: Sein letzter Satz gilt der Revolution.

 

 

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