Alexander Rudolfi

Alexander Rudolfi
Alexander Rudolfi © Marf Mabo

Wie kamst du darauf, dich beim 30. open mike zu bewerben?

Es ist schön, dass hybride, fluide und grenzgängige Textformen eine solche Plattform haben können.

Erster Vers deines open-mike-Textes?

arber ist ein wort für die schneeschmelze auf feldern, man sagt: 
es wird arber, wenn der samt nicht mehr, weiß, auf den feldern beharrt. 

Wann und wo schreibst du am liebsten?

Von der Heimlichkeit früher mitgenommen: immer spät Abends, in die Nacht hinein. Mittlerweile auch morgens im Halbtraum, wenn alles noch brüchig ist.

Und was läuft dazu im Hintergrund?

Irgendwas Geschichtetes zwischen Fever Ray, Steve Reich und Nils Frahm.

Wer liest deine Texte zuerst?

Wer mir gerade am nächsten steht.

Was bedeutet Literatur für dich?

Dass sie uns das unterirdische Rauschen aufgräbt, das von anderen und das eigene. Und dann hat Basquiat einmal gesagt, dass er alles besser leiden könne, je mehr er male; das kenne ich auch und glaube, dass es zusammenhängt.

Schon aufgeregt vorm Auftritt? Wie bereitest du dich vor?

Meistens bin ich spät dran. 

Worauf freust du dich am meisten, wenn du an das Wettbewerbswochenende denkst?

Die neuen Bekanntschaften und auf den kurzen Moment, nachdem alle gelesen haben. Der ambivalente Zustand in dem das kurz normal ist und alle fast überschnappen.

Dein aktueller Buchtipp und warum?

Olga Ravns Die Angestellten. Cyborgs, Software-Updates und Ontologie …; alles wird in den Zwischenräumen dieser extrem verdichteten mosaikartigen Textbausteine miterzählt!

Schick uns ein Bild von einem Ort oder Gegenstand, der dich zuletzt zum Schreiben animiert hat. 

Alexander Rudolfi, geboren 1987 in Freyung. Aufgewachsen im Grenzgebiet zu Tschechien und Österreich. Studium Soziale Arbeit, verschiedene Erfahrungen im Psychiatriebereich und Studium Literarisches Schreiben und Philosophie in Hildesheim und Sassari (Sardinien).
Texte sind in Anthologien und Zeitschriften erschienen. Er ist Preisträger der hannoverschen Autor:innenkonferenz, seine Arbeit wurde durch das Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen gefördert. Aktuell lebt er in Hannover und Altreichenau und schreibt am Romandebüt. Alexander Rudolfi wurde ausgewählt von Andrea Schmidt.

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Lina Schwenk

Lina Schwenk
Lina Schwenk © Kilian Voth

Wie kamst du darauf, dich beim 30. open mike zu bewerben?

Vor drei Jahren habe ich andere Schreibende bei einer Wettbewerbslesung im Literaturhaus Zürich kennengelernt. Viele Geschichten über die ersten Veröffentlichungen, die Worte »open mike« fielen immer wieder. Austausch und Bühne für uns junge Autor:innen, war sofort begeistert! Habe anschließend die neuste Anthologie gelesen. Seitdem bewerbe ich mich. 

Erster Satz deines open-mike-Textes?

»Bist du angeschnallt?«

Wann und wo schreibst du am liebsten?

Unbedingt an einem Tisch mit genügend Platz für meine Unterarme, zum Ablegen. (Sonst wird’s schnell unbequem und verkürzt die Schreibzeit.) Wo, ist ganz egal. Aber woanders ist oft besser als daheim. Morgens ist es gut, wenn noch nicht so viele Worte gefallen sind. Unser Kind schläft oder ist unterwegs mit Papa oder Oma. Es sollte noch Platz für eine Tasse Kaffee auf diesem Tisch sein … 

Und was läuft dazu im Hintergrund?

Die Geräusche des Ortes. Am liebsten Blätterrauschen, eine Musikschule um die Ecke, Schritte auf Kies …

Wer liest deine Texte zuerst?

Kommt auf den Text an. Mein Freund, er ist großherzig und verdammt ehrlich. Da kann ich so einiges raushauen. 
Und meine Mutter, wunderbar und eigenwillig, schon seit der ersten Klasse.

Was bedeutet Literatur für dich?

Große Frage. Ich denke, mich fasziniert die Verbundenheit über Generationen hinweg, die wir mit geschriebener Sprache schaffen. Auch wenn wir allein sind, während wir schreiben oder lesen. Wenn ich etwas Wahres in einem Text finde, ergreift mich das vollkommen und ordnet mich und meine Sicht auf die Welt für eine Zeit lang, manchmal für immer. Literatur hat die faszinierende Gabe zu heilen. Schwierig, das nicht allzu dramatisch klingen zu lassen. Ohne Literatur funktioniert mein Leben nicht. 

Schon aufgeregt vorm Auftritt? Wie bereitest du dich vor?

Jetzt beim Beantworten der Fragen beginnt es, in meinem Bauch Purzelbäume zu schlagen. Hab vor den ersten fünf Sätzen auf der Bühne Bammel, die sind die schwersten. Ich schreibe einfach weiter. Und lese vor. 

Worauf freust du dich am meisten, wenn du an das Wettbewerbswochenende denkst?

Auf viele spannende Begegnungen und Gespräche. Auf die Texte der anderen. Und auf den Workshop über Exposés (hoffe auf Erleuchtung) mit dem warmen Mahl im Anschluss. 

Dein aktueller Buchtipp und warum?

Kürzlich habe ich die Erzählungen von Lucia Berlin gelesen. Ihre Art zu schreiben ist unglaublich empathisch, es hat mich umgehauen. Ich war so begeistert von einzelnen Momenten und Bildern. Sie lässt ihre eigene Biographie durchschimmern, ohne zu belasten, traurig und witzig zugleich. 

Schick uns ein Bild von einem Ort oder Gegenstand, der dich zuletzt zum Schreiben animiert hat.

Lina Schwenk, Ruhrpottkind, aufgewachsen im Garten zwischen Büchern und Kunst, ein Fuß in der Galerie der Eltern, ein Fuß im Baumhaus, Schreibkoffer gepackt und überall hin mitgenommen. Leben, studieren und schreiben in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Ärztin. Mutter. Jüngste Veröffentlichungen in Wien und Zürich. Lina Schwenk wurde ausgewählt von Jörn Dege.