„Schon wieder so ein Peter-Text, der von dem monotonen Leben eines Spießers erzählt.“ — Das ist mein erster Gedanke, als ich den Text von Rainer Holl lese. Später soll ich mich für diesen Gedanken noch schämen.

Herr Meier „macht es sich richtig schön“: Er hat aufgeräumt, das Altglas entsorgt und das Schlemmerfilet brutzelt im Ofen. In lockererem, lapidaren Erzählton lässt Rainer Holl seine Hauptfigur auf ihr Zuhause blicken. Da ist sein alter Röhrenfernseher, die eher triste Möblierung und der einzige Dekorationsgegenstand ist Jean Guichards Fotografie „Leuchtturm“.

Besonders fasziniert ihn noch immer die scheinbar lässige Pose, in welcher der Leuchtturmwärter vor seiner Leuchtturmtür verharrt, während hinter ihm buchstäblich die Welt in sich zusammenfällt.

Ein vielsagendes Bild. Denn nur kurz später stellt sich heraus: Auf Herrn Meier rollen gerade seine eigenen Riesenwellen zu und wie der Leuchtturmwärter bleibt auch er ruhig und lässig in diesem Moment größter Gefahr. Denn Herr Meier hat die Rohre seiner Gastherme gelöst, das Zuhause füllt sich mit der giftigen Substanz und er hat nicht mehr lang zu leben.

Herr Meier lässt sich fallen. Er taucht ein in ein Meer aus Bettwäsche, aus warmem Kakao, in ein Gefühl wie immer Freitagabend.

Rainer Holl hat mit „Prolog“ einen sehr rythmischen Text gebaut, der auf sprachliche Wiederholungen setzt. Es gibt zwar eindeutige Hinweise auf das, was kommt. Doch Sätze wie „Am Ende muss alles perfekt sein“ und „Er guckt also ein letztes Mal genau hin“ fallen erst beim zweiten Lesen auf. Die kleinen Vorwarnungen sind so subtil im Text verwoben, dass man sich ertappt fühlt, sobald es um den Tod geht: Ist das der gleiche Mann, den man eben noch richtig spießig fand? Für diesen scheinbar schlimmsten Moment findet Rainer Holl warme und ruhige Worte: Darin liegt die große Stärke des Textes.